L’amitié franco-allemande existe-t-elle ?

Lisa und ich passen gut zusammen und wir haben uns noch nie die Frage gestellt, ob wir nicht zusammen passen könnten, weil sie Deutsche und ich Franzose bin. In Europa wird jedoch viel darüber gesprochen, ob wir alle zusammen passen, die Franzosen und die Engländer oder die Deutschen und die Griechen oder die Spanier und die Italiener oder die Iren und die Portugiesen.

Heute, an diesem denkwürdigen Tag*, wird das französisch-deutsche Verhältnis wieder besonders stark betont. In Frankreich wie auch in Deutschland gibt es viele kritische Stimmen zu unseren Beziehungen. Deutsche und Franzosen seien einfach zu verschieden, als dass man von einer Freundschaft sprechen könnte. Dafür werden stereotype Bilder bemüht, die diese Behauptung untermauern sollen: Der Franzose, ein Lebemensch par excellence, geht alles Laissez-faire an und der Deutsche ist fleissig, ernst, belehrend und allzu regeltreu – das kann ja nicht gut zusammengehen.

Dabei wird das Bild zur deutsch-französischen Freundschaft in erster Linie von der aktuellen Europa-Politik von Angela Merkel und François Hollande geprägt**. Vor einem Jahr war es noch anders, denn Angela Merkel und Nicolas Sarkozy haben in Europa stärker gemeinsam an einem Strang gezogen, als es die Kanzlerin und der jetzige französische Präsident tun. Wie wäre die mediale Einschätzung der Beziehung vor einem Jahr gewesen? Ich denke, dass sich an diesem Beispiel zeigt, dass insbesondere die persönliche Haltung der agierenden Personen maßgeblich Einfluß auf die zwischeneuropäischen Beziehungen hat.

Contre les préjugés ! Contre les stéréotypes !

* Der 22. Januar 2013 war der 50. Jahrestag des Élyséevertrags. An diesem Tag haben Bundeskanzler Konrad Adenauer und Président Charles de Gaulle den ersten gemeinsamen deutsch-französischen Vertrag nach dem Ende des zweiten Weltkriegs geschlossen.

** Mehr als ein Jahrzehnt später haben sich die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland deutlich verschlechtert – das offizielle Interesse Deutschlands an Verbindungen zu Frankreich ist gering, Frankreich dreht sich um sich selbst und Großbritannien gehört seit dem Brexit nicht mehr zur EU. EU wo gehst du hin?

Was könnte ich zum Thema der Kolumne machen?

Ich habe den ersten Teil meiner Reportage fertig und fühle mich leicht wie eine Feder. In den letzten Tagen bin ich immer früh aufgewacht, voller Schreibdrang – und das passiert mir nicht oft, wenn es so dunkel und kalt da draußen ist. Das Schreiben ging so gut von der Hand, dass ich eine Woche vor Abgabetermin schon fertig bin mit Teil 1. Ich kann es kaum glauben, es ist jedes Mal ein fast unwirkliches Gefühl, das mich überkommt, wenn ich eine Arbeit abgeschlossen habe. Nun ja, ganz fertig ist es natürlich noch nicht, es fehlt noch der gesamte zweite Teil. Aber trotzdem macht sich Frohsinn in meinem Kopf und in meinem Bauch breit.

Ich werde die Reportage Laurenz in der Redaktion vorbeibringen. Eigentlich könnte ich die Dateien auch über einen FTP-Server* verschicken, aber ich bin ein bisschen abergläubisch. Mir ist die Übergabe auf Papier und von Hand zu Hand sehr wichtig, weil es für mich einen symbolischen Charakter hat. Danach werde ich mir den Tag freinehmen. Ein bisschen durch den Schnee spazieren, mir ein neues Buch kaufen, irgendwo eine heiße Schokolade trinken und das Buch lesen. Das habe ich schon lange nicht mehr gemacht. Morgen kann ich mich dann der Kolumne widmen, die Laurenz auch noch von mir haben wollte. Zwischendrin mal etwas Locker-Flockiges zu schreiben entlastet meine Hirnwindungen und lässt neue Tinte in meinen Federkiel fließen.

| Die Kolumnianerin |

Es war einmal ein König, der sich bei seinem Volke großer Beliebtheit erfreute. Denn der König war lustig und den irdischen Dingen sehr zugetan. Er veranstaltete bunte Feste oder wurde zu fröhlichen Feiern geladen, auf denen er sich gerne zeigte. Auch hatte der Regent stets großartige Ideen, die den Reichtum der Stadt mehren sollten. So sollte das Schloss, das vor Jahren schon bis auf die Grundmauern zerstört worden war, wieder in altem Glanze erstrahlen. Ebenso sollten riesige silbern glänzende Vögel den Himmel durchstreifen und auf ihren Reisen die Bewohner der Stadt mitnehmen, damit sich andere Länder kennenlernen könnten.

Doch eines Tages verlauteten einzelne Stimmen, dass es der schillernden Stadt nur scheinbar gutgehe und dass in den Schatzkammern keine Goldthaler mehr klimperten sondern die Mäuse in den leeren Truhen tanzten. Der König jedoch war ein geschickter Redner und so sprach er von der Stadt, die „arm aber sexy“ sei und ersann damit ein geflügeltes Wort. Die Leute lachten über die Worte, die ihm so leicht über die Lippen gingen. Alsbald sah man an jeder Ecke und an jedem Pfosten die Worte des Königs stehen.

So gingen weitere Jahre ins Land und es gab eine große Not überall, die auch bald in der großen Stadt zu spüren war. Und obwohl die Stadt einst von einem reichen Land umgeben war, so gab es mehr und mehr Menschen hier, die hungern mussten und frieren und die ohne Arbeit und ohne Obdach waren. Doch der König und seine Minister kümmerten sich nicht um die Armut der Menschen in der Stadt, denn sie hatten mit wichtigeren Dingen zu tun. Die Arbeit an dem Schlosse hatte noch immer nicht begonnen. Auch waren die Ställe für die vielen silbernen Vögel nicht fertig geworden und jeden Tag mussten weitere Goldstücke gefunden werden, damit die Ställe vielleicht doch noch errichtet werden konnten. Und so stritten sich der König und die Minister und auch Könige und andere Minister aus anderen Ländern und sie stritten immer weiter darüber, wer hier im Recht und wer im Unrecht sei. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann streiten sie auch heute noch.**

* FTP-Server sind gewissermaßen die Vorläufer von Dropbox, Google Docs oder WeTransfer. Anfang 2013 war ein FTP noch das virtuelle Dateien-Austauschmittel der Wahl und es hat gedauert, bis alles endlich hochgeladen war …

** Emmas Kolumne bezog sich auf die großspurigen Projekte des ehemaligen Bürgermeisters Klaus Wowereit und seinem Filz, die das nicht mehr vorhandene Berliner Schloss wieder haben auferstehen lassen (zumindest von Außen) und den größten deutschen Flughafen BER bauen wollten. Beide Projekte entpuppten sich als veritable Millionengräber und sind – auch wenn beide nun eher weniger als mehr erfolgreich in Betrieb sind – größenwahnsinnige Überbleibsel einer egomanen Politik, deren finanziell desaströse Folgen noch heute zu spüren sind.

Jede Gesellschaft ist im Namen der Menschlichkeit verpflichtet

Urplötzlich ist es eiskalt. Nicht nur weil Herbst ist – auch im deutschen Miteinander. Was seit einem Jahr, seit der Aufdeckung der Morde durch die NSU, an die Oberfläche unserer vermeintlich so toleranten und offenen Gesellschaft gespült wird, ist mehr als erschreckend. Es zeigt ganz deutlich: Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind nicht nur ein Problem von extremistischen Randgruppen. Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sind allgegenwärtig und werden sogar von staatlichen Organen protegiert.

Dabei wird am Beispiel der NSU ziemlich deutlich, was ein Verbot bewirkt: Solche Vereinigungen können sogar fast noch besser aus dem Untergrund heraus unbehelligt tätig sein. Deshalb halte ich ein Verbot der NPD* für unsinnig. Man drängt die NPD-Anhänger* damit doch nur in eine Märtyrer-Rolle und macht sie erst recht attraktiv für andere dumpfe Nationalisten. Der Staat muss Mitglieder aus dieser Partei mit den Mitteln des Rechtsstaats in den Griff kriegen, dass heißt nichts anderes, als das Strafrecht voll und ganz auszunutzen. Und der Öffentlichkeit damit immer wieder vorführen, wie dumm und gefährlich diese Leute sind. Und dass sie selbst die Kriminellen sind, für die sie auf ihren Plakaten härtere Strafen fordern.

Sicherlich ist Rassismus und die Ablehnung alles vermeintlich Fremden kein deutsches Problem. Aber in Deutschland hat er eine besonders schreckliche Geschichte. Die auf gar keinen Fall in Vergessenheit geraten darf – auch wenn der größte Teil der Täter und der Opfer nicht mehr leben. Jede Gesellschaft ist im Namen der Menschlichkeit verpflichtet, sich gegen rassistische, antisemitische und fremdenfeindliche Tendenzen in ihrer Mitte vehement zu wehren.

Ich bin gespannt, wie die aktuelle Lage in Europa und in Deutschland von der israelischen Öffentlichkeit gesehen wird. Ich fliege ja Ende Dezember nach Tel Aviv. Leider bekomme ich hier in Deutschland viel zu wenig mit, wie das Thema in meiner zweiten Heimat diskutiert wird. Das liegt in der Natur der Medienwelt: In den Nachrichten wird ja nur etwas berichtet, wenn es von weltpolitischer Bedeutung scheint. So beschäftigen sich die deutschen Medien vorzugsweise mit Israel dann, wenn es um politische Konflikte im Nahen Osten oder um Anschläge und extremistische Gruppen in Israel und Gaza geht. Aber ich will nicht überkritisch sein: In Deutschland wird schon relativ viel über das politische Geschehen in der Welt berichtet. Wenn man sich die Berichterstattung in den USA ansieht, fällt es umso mehr auf: In den Vereinigten Staaten wird fast ausschließlich über Themen berichtet, die die USA betreffen. Ich habe ja selbst als Journalistin fast 16 Jahre für amerikanische Zeitungen gearbeitet. Über Themen, die außerhalb des us-amerikanischen Blickwinkels gelegen haben, konnte ich kaum schreiben – sie haben sich einfach nicht verkauft auf dem amerikanischen Nachrichtenmarkt.

Es ist wirklich kalt geworden. Vor einer Woche war es noch fast sommerlich. Damit geht das Kapitel Sommer tatsächlich zu Ende.

* 2012 heißt die AFD noch NPD. Anderer Name, gleiche Gesinnung.

Vor allem wenn dein Gegenüber die Ironie mit Humor verwechselt

Sagt ein Ohrwurm eigentlich etwas über die psychische Verfassung des Ohrwurmgeplagten aus? So frei nach Freud? Immer wenn ich mir die Rubber Soul angehört habe, klingt Nowhere Man noch stundenlang in meinem Kopf nach. Tatsache ist: Manchmal fühle ich mich wie ein Nowhere Man. Ich bin ständig unterwegs, reise in der Welt herum, ohne die Welt zu sehen. Und das alles, um Strategien zu entwickeln und Dinge zu verkaufen, die – wenn man ehrlich ist – niemand braucht. Davon lebt unser kapitalistisches System. Davon lebe ich.

Ehrlich gesagt freue ich mich über jeden Tag, der so ist, wie heute. Wenn die Sonne scheint und so ein Hammerwetter wie an diesem Sonntag im Oktober ist, kann ich richtig abschalten. Wenn ich endlich mal Zeit habe, nichts zu tun, und mein Gesicht in die wärmenden Sonnenstrahlen halte, kann ich ganz gut vergessen, dass ich Teil des Systems bin, das ich selbst so lächerlich finde. Wahrscheinlich bin ich gerade deswegen so erfolgreich in meinem Job. Weil ich mich im Grunde genommen selbst nicht ernst nehmen kann. Ironie verkauft am besten – vor allem wenn dein Gegenüber die Ironie mit Humor verwechselt.

Da fällt mir gerade ein: Ich muss Jenna wegen der Wahl noch Bescheid geben. Wir wollten ja zusammen zur Botschaft gehen und ich kann nur am 6. November ganz früh. Barack Obama steht ja gerade im Kreuzfeuer der Kritik. Selbst eingefleischte Demokraten wenden sich gegen ihn. Was nicht überraschend ist. Die Erwartungen an Obama waren einfach unrealistisch hoch. Man hat ihm fast schon übermenschliche Kräfte nachgesagt damals. Ein Zauberer als Mister President? What a joke! Klar, einen, der Wunder vollbringt, den hätte es wahrscheinlich gebraucht nach acht Jahren Bush-Regierung*. Die hat in 8 Jahren mehr zerstört als man in acht Jahren aufbauen kann. Das jedoch sehen die meisten Leute leider nicht. Weil sie vergesslich sind. Und sich am Nachmittag lieber eine neue Lüge in ihr Ohr säuseln lassen, um nicht mehr daran zu denken, dass die Lüge von gestern ihnen heute morgen noch sauer aufgestossen ist.

Stürmische Zeiten*: vom American Dream zum Nowhere Land.

Ich bin wirklich gespannt auf den Ausgang der Wahl. Ich muss unbedingt meine Stimme abgeben. Denn ich will auf gar keinen Fall, dass Mitt Romney das Rennen macht. Ich weiß nicht, ob Obama der bessere Präsident ist. Aber auf jeden Fall ist er der sozialere Präsident. Und er hat, obwohl seine ersten vier Jahre im Amt nicht gerade leicht waren, seine Menschlichkeit behalten. Einer wie Romney kann sich gut verkaufen, ist aber nur eine republikanische Marionette. So wie Bush Junior.

* 12 Jahre danach gibt es wieder eine Wahl in den USA. Obama hatte damals noch mal gewinnen können und dann kam Trump. Der ist so übel, dass selbst Bush Junior sich gegen ihn positioniert hat. Leider ohne Erfolg. Vier Jahre Trump, vier Jahre Biden und dieses Jahr wieder … Trump? God save America from this disaster.