Zalig Kerstfeest

Auch wenn ich nicht ganz so ballettverrückt bin wie Lisa, habe ich die Antworten auf das Quiz meines Vaters sofort parat gehabt. Lisa würde jetzt lachend mutmaßen, dass es daran liegen könnte, weil es irgendwas mit Nüssen zu tun hat.

1 Wie heißt das berühmte Ballett, das gerne zur Weihnachtszeit aufgeführt wird?
Der Nussknacker
2 Wer hat die Geschichte, auf der dieses Stück basiert, ursprünglich geschrieben?
E. T. A. Hoffmann (Nussknacker und Mausekönig)
3 Wer war der Komponist, der die Geschichte dann vertont hat?
Pjotr Iljitsch Tschaikowski

… Weihnachtsnüsse ess ich gern – für Engelszungen

Kleines Nuss-Lexikon
Nüsse oder Nussfrüchte sind Schließfrüchte, bei denen die Schichten der Fruchtwand verholzen und den Samen umschließen. Die handelsübliche Bezeichnung für essbare Nüsse ist Schalenobst oder Schalenfrüchte.
___ Die Walnuss
Sieht aus wie ein Mini-Gehirn und steckt in der Tat voller wertvoller Inhaltsstoffe für Hirn und Herz. Schmeckt in Salaten, auf Suppen, in Brot (salzig) und Gebäck (süß).
___ Die Haselnuss
Ist fast kugelrund und wird auch gerne (zu Unrecht wie ich finde) mit dem Attribut gemein (im Sinne von gewöhnlich) versehen. Schmeckt gepresst als Öl, aromatisiert Essig und macht Schokolade bissfest.
___ Die Erdnuss
Kann ohne Nussknacker mit den Händen geknackt werden und gleich weggeknabbert werden. Ergänzt hervorragend die südostasiatische Küche in Currys, Salaten und Saucen.
___ Die Pistazie
Grün und weich im Geschmack, schmeckt geröstet und gesalzen aber auch zu Süßspeisen, mit Käse und Wurst oder in italienischer Pesto.
___ Die Mandel
Blüht und duftet im Frühjahr in Südeuropa, schmeckt in Herbst und gibt Kraft im Winter. Karamellisiert auf jedem Jahrmarkt zu finden, und zur Weihnachtszeit Hauptbestandteil vieler Plätzchen. Lecker auch als Füllung in grünen Oliven oder als cremige Suppe.
___ Die Macademia
Die Königin unter den Nüssen. Sehr weich im Biss, feiner butterzarter Geschmack. Besonders lecker in Gebäck oder mit Eiscreme.

Gajan Kristnaskon

Bei der schier unglaublichen Fülle an süßen Leckereien zur Weihnachtszeit zeichnet sich das Dessert eher durch angenehme Zurückhaltung aus. Um das Menü in diesem Jahr rund zu machen, habe ich eine Variante der Kalten Ente gewählt. Nach einem üppigen Mahl wirkt dieser fruchtig-erfrischende Nachtisch anregend. Das Sorbet räumt den Magen auf und passt hervorragend zu einem Vouvray von der Loire or Champagner.

Passt gut zur kalten Ente: Butterplätzchen und Weihnachtsmandeln

Kalte Ente mit Limetten-Sorbet
___Für 6 Personen
10 Limetten
3 Tassen Zucker
1,5 Tassen Wasser
10 Blatter Basikum + weitere Bätter zur Dekoration
2 Eiweiß
___Zubereitung
Eiweiß steif schlagen, bis es schnittfest ist. Zucker mit dem Wasser verrühren. Die sehr fein geriebene Schale von etwa 6 Limetten in das Zuckerwasser geben. Von zwei weiteren Limetten die Haut in feinen Streifen abziehen und zur Seite stellen.

Alle Limetten auspressen, zunächst 3/4 des Limettensaftes hinzugeben und probieren. Je nach Geschmack mehr Saft zugeben. Basilikum sehr fein hacken und mit dem Limetten-Zuckerwasser verrühren. Etwa 5 Minuten ziehen lassen, dann das Wasser durch ein Sieb in eine Schale gießen.

Dann den Einschnee schnell unterheben und die Masse sofort in den Gefrierschrank geben und ca. 25 Minuten kalt stellen.

Das Sorbet mit einem Schneebesen aufschlagen und für weitere 25 Minuten in den Gefrierschrank geben. Wenn die Masse nicht mehr flüssig, aber auch nicht sehr fest ist, aus dem Gefrierschrank nehmen und mit einem Esslöffel das Sorbet in Nocken in bauchige Rotweingläser geben (pro Glas 2 Nocken). Die Limettenzesten über das Sorbet streuen und die Gläser ca. zu 1/2 mit gut gekühltem Vouvray oder Champagner auffüllen. Mit Basilikumblättern dekorieren.

Jabbama be salla Kirismati

Nicht essbar, aber schön anzusehen: Weihnachtskrimskrams aus Stroh

Als Emma mich gefragt hat, was das ist, dachte ich sofort an Spaghetti. Tatsächlich ist das ein Engel mit einem Rentier. Ich muss wohl sehr hungrig gewesen sein, um an Pasta zu denken – ist ja ein vorweihnachtliches Rätsel, das hat wohl wenig mit Nudeln zu tun. Obwohl, eigentlich ist das gar keine so schlechte Idee. Ich wollte in diesem Jahr ein thematisches Weihnachtsmenü machen: vom Amuse Bouche bis zum Dessert alles Ente. Da würden Capellini mit Entenbrust sehr gut passen.

Capellini mit Orangen-Pflaumen-Sauce und Entenbrust

____Für 6 Portionen

Salz, Pfeffer
2 Orangen
5 getrocknete Pflaumen
40 g Schalotten
1 kleine rote Chilischote
1-2 El Fenchelsaat
3-4 Stiele Estragon
150 g Crème Fraiche
300 g Kirschtomaten
6 El Olivenöl
2 El Honig
2 Entenbrustfilets (à ca. 200 g)
300 g Capellini (sehr feine Spaghetti)

____Zubereitung

Von einer Orange (unbehandelt) etwa 1/3 der Schale mit einem Zestenreißer in dünnen Streifen abziehen. Die Orangen aufschneiden und filetieren. Die Pflaumen in feine Streifen schneiden. Schalotten fein würfeln. Chili putzen und fein schneiden. Fenchelsaat in einem Mörser mittelgrob zerstoßen. Estragonblätter abzupfen und fein schneiden. Orangenzesten in kochendem Wasser 10 Sekunden blanchieren, abgießen und abtropfen lassen. Creme Fraiche mit Estragon und Orangenzesten verrühren, mit Salz und Pfeffer würzen und zur Seite stellen. Kirschtomaten waschen, mit 2 El Öl, Salz und Honig mischen.

Die Hautseite der Entenbrüste kreuzweise leicht einschneiden. Entenbrüste mit der Hautseite nach unten in eine beschichtete Pfanne legen und bei starker Hitze 2-3 Minuten goldbraun braten. Dann auf ein mit Alufolie belegtes Backblech legen und im vorgeheizten Backofen auf der 2. Schiene von unten bei 180 Grad weitere 8-10 Minuten garen (Gas Stufe 2-3). Entenbrüste herausnehmen und in einer mit einem Teller abgedeckten Schüssel warm halten. Tomaten auf das Backblech legen und im Ofen bei gleicher Temperatur 10 Minuten garen, bis sie leicht aufplatzen.

Nudeln nach Packungsanweisung in kochendem Salzwasser bissfest kochen, in einem Sieb abtropfen lassen. Öl in einer Pfanne erhitzen, Schalotten, Chili und Fenchelsaat scharf anbraten. Dann Pflaumen und Orangenfilets dazugeben. Mit der vorbereiteten Cröme Fraiche vermengen und leicht köcheln lassen.

Entenbrust aus der Schüssel nehmen und in Scheiben schneiden. Bratsaft in der Schüssel zu der Sauce geben und vermengen. Nudeln in Nestern auf die Teller geben, mit der Orangen-Pflaumen-Sauce übergießen, Entenbrust und Kirschtomaten darauf verteilen und servieren.

Betreff: Eine Torte für meine geliebte Frau

An: Jenna <jenna@life-minutes.de>
Von: Patrice <patrice@life-minutes.de>
Datum: 15. November 2012 16:36:23 MESZ

Geliebte Frau,

kein Eisnebel auf dieser Welt kann so frostig sein, dass er meine heiße Sehnsucht nach dir abkühlen könnte. Ich muss und will es dir immer wieder sagen: Ich liebe dich. Gerade dann, wenn ich nicht bei dir sein kann, was in dieser Zeit saisonbedingt leider recht oft noch passieren wird, will ich, dass du weißt, dass ich dich in meinem Herzen trage.

Was machst du gerade? Ich stelle mir vor, dass du in eine Decke gehüllt an deinem Schreibtisch sitzt. Das Licht ist wie immer gedimmt, du magst es dunkel und etwas kühler, obwohl du ein Sommerkind bist. Jetzt streichst du eine Strähne, die sich aus deinem Zopf gelöst hat, aus deinem Haar und legst sie gedankenversunken hinter dein zartes Ohr. Ach Jenna, ich sehe dich genau vor mir. Ich mag es so sehr, wenn du voll konzentriert an deiner Arbeit sitzt und immer dann deine Stirn hochziehst, wenn dir eine neue Idee gekommen ist. Ich bewundere ich dich dafür. Ich könnte mich niemals stundenlang durch das Internet wühlen, dabei Gedanken zu Worten werden lassen, dann wieder einen Video-Ausschnitt ansehen und diesen mit klaren, analytischen Sätzen bewerten. Du schmunzelst, wenn ich dir das sage. Dir fällt es leicht zu forschen und den Dingen auf den Grund zu gehen.

Ich bin mehr für das Praktische, muss etwas mit meinen Händen tun. Deshalb habe ich dir noch eine herrlich duftende Tarte Normande gebacken, bevor ich heute zur Arbeit gehe. Du kannst sie dir sehr gerne bei mir abholen, sie steht auf dem Küchentresen bereit zum Verzehr. Wenn du magst, bleibst du bei mir und wärmst das Bett. Ich werde zwar nicht vor 1 Uhr zu Hause sein, aber du machst mich zum glücklichsten Mann auf dieser Erde, wenn ich deinen warmen, weichen Körper heute Nacht neben mir spüren darf.

Geliebte Frau, fühle dich geküsst von mir!
Dein Patrice

Betreff: Fwd: Just a quick question // Emmas Geburtstag

An: Lisa <lisa@life-minutes.de>
Von: Patrice <patrice@life-minutes.de>
Datum: 07. November 2012 23:23:23 MESZ

Lisa,

ich bin gerade fertig mit der Arbeit und schreib dir kurz eine E-Mail, weil es schon spät ist. Emma hat ja übermorgen Geburtstag und Josh will eine Überraschungsfeier schmeißen. Kurz vor knapp ist ihm wohl noch eingefallen, dass er mit Emma Bett und Tisch teilt. Und jetzt fragt er mich, ob ich Emma unter einem Vorwand weglocken kann.

Normalerweise würde ich das liebend gerne übernehmen, allerdings muss ich morgen Abend wieder bis spät arbeiten (wir haben eine große Reservierung mit 45 Personen) und am Freitag muss ich auch schon um 11:00 Uhr wieder im Restaurant auf der Matte stehen. Ich komme auch erst später zu der Party. Also Frage ich dich: Kannst du das übernehmen? Vincent ist ja gerade nicht da, vielleicht kannst du Emma vorschlagen, dass ihr einen schwesterlichen Geburtstagstag verbringt am Freitag. Dann könntest du ihr auch anbieten, dass sie bei dir übernachtet – weil du ihr ein Frühstück machen willst.

Ich glaube, das ist ein guter Plan. Für Emma muss man sich immer eine besonders hieb- und stichfeste Geschichte ausdenken, sie merkt immer ziemlich schnell, wenn man ihr was vorflunkert. In diesem Fall handelt es sich sowieso um eine weiße Lüge, da kann Emma also gar nicht böse sein, falls es auffliegen sollte. Und ihr zwei habt einen schönen Tag, bevor die Feier losgeht.

Passt es so für dich? Ich hoffe, ich durchkreuze deine Pläne nicht zu sehr mit meiner Anfrage. Aber es wäre wirklich famos, wenn du den „Emma-Ablenkpart“ übernehmen könntest. Ich kümmere mich auch um das Geschenk – versprochen!

Schlaf gut!

Dein Patrice

P.S. Ich merke schon, dass ich ziemlich vorsichtig bin. Das liegt wahrscheinlich gerade daran, dass die Situation zwischen Emma, Jenna und mir etwas angespannt ist. Du hast ja mitbekommen, dass Emma uns zusammen gesehen hat, bevor wir es sagen konnten. Zählt das eigentlich nicht als „weiße Lüge“? Was meinst du? Ach, wahrscheinlich nicht, wir haben ja nicht gelogen, sondern geschwiegen.

P.S.S. Obwohl Schweigen auch Lüge sein kann. Ach Gott, jetzt komme ich ins Philosophieren. Es war ein anstrengender Tag heute, da bin ich immer etwas überdreht am Abend. Aber das kennst du ja, mein Schwesterchen. Gute Nacht jetzt ohne weiteres P.S.

Sie hat mein Leben wieder zum Blühen gebracht

Diese Frau ist wie eine saftige Tarte Normande, sie duftet nach Äpfeln, schmeckt nach Zimt, Zucker und Butter, ihre Haut ist knusprig wie der Tortenboden und ihre Brüste zart wie das Fruchtfleisch. Sie inspiriert mich zu neuen Rezepten, ich könnte von morgens bis abends einfach nur kochen, wenn sie nur daneben sitzt und mit ihr essen, sie lieben und dann wieder kochen, mit ihr essen, sie lieben…

Gut für Gaumen und Inspiration: die Liebe.

Emma scheint mir nicht gerade glücklich darüber zu sein, dass Jenna und ich zueinander gefunden haben. Ich kann gut verstehen, dass sie tief gekränkt ist. Es wäre sicherlich klüger und einfühlsamer gewesen, ihr zu erzählen, dass wir zusammen sind. Sie versucht sich nichts anmerken zu lassen, aber ich kenne meine Schwester zu gut. Ich weiß, dass sie sich alleine gelassen, vielleicht sogar einsam fühlt. In meiner Heimat sagt man „Pauvre est celui qui est seul.“ Wie wahr es ist: Auch wenn die Einsamkeit nur ein Gefühl ist, sie ist da und real für den, der sie spürt.

Ich weiß, wie es ist, sich allein gelassen zu fühlen. Ich war lange Zeit ganz allein auf dieser Welt. Als Emma und ich uns kennen gelernt haben, habe ich gedacht, dass ich der einsamste Junge auf dieser Welt bin. Und dann war Emma plötzlich da und ich war nicht mehr einsam. Gleich als ich sie gesehen habe, wußte ich, dass sie meine Schwester ist. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich einen anderen Menschen getroffen, der mich, mein Innerstes sofort erkennt – obwohl Emma in Deutschland geboren und aufgewachsen ist und ich aus dem Senegal kam, wir damals kaum die gleiche Sprache gesprochen haben und unsere Biographien unterschiedlicher nicht hätten sein können.

Umgekehrt ging es ihr ganz genauso. Es ist mehr als ein großes Glück, dass ich Emma getroffen habe, als ich nach Deutschland kam. Sie hat mein Leben wieder zum Blühen gebracht. Und ich habe ihr das Lachen und die Freude zurück gegeben. Sie hat mir damals alles erzählt, diese widerliche Grausamkeit, die ihr als kleines Mädchen angetan worden ist. Ich bin immer noch der Einzige, dem sie sich anvertraut hat (wenn man mal von dem Therapeuten absieht). Diese Geschichte hat sie zu einer sehr empfindsamen wie auch empfindlichen Frau gemacht. Meine Beziehung zu Emma ist es etwas ganz besonderes und wird es auch immer bleiben. So etwas passiert dir, wenn überhaupt, nur einmal im Leben. Und ich hoffe sehr, dass sie dieses Band immer noch spürt.

Mit den anderen in meiner zweiten Familie ist es anders. Sie sind mir nah, aber sind nicht aus demselben Holz wie Emma und ich geschnitzt. Lisa ist meine kleine Schwester, Hans mein Vater. Und Elisabeth war eine liebende Mutter für mich, ich vermisse sie immer noch so sehr wie ich meine Familie im Senegal vermisse. Auch wenn ich mich an die Zusammensetzung der Familie erst gewöhnen musste. Man sagt hier wohl Patchwork-Familie dazu. Ein dämlicher Begriff ist das. Als wäre eine Familie ein großer Flickenteppich und wir alle ein Fetzen Stoff, der die Familie zusammenhält. Und jetzt noch Jenna, diese wunderbare Frau. Noch mehr Patchwork, wenn man es genau nimmt. Also wenn wir alle Fetzen wären.

Normalerweise haben wir immer Spaß

Manchmal ist es echt anstrengend mit meiner großen Schwester. Ich habe seit langem mal wieder einen Freitagabend frei und dann so was. Erst freut sie sich wie ein kleines Mädchen, als ich ihr eine Bar vorschlage, die sie nicht kennt. Kaum sind wir da, zieht sie eine Schnute und schaut gelangweilt drein. Dann fragt sie mich alle paar Minuten nach der Uhrzeit und scheint verwundert, dass ich genervt bin. Ein Gespräch kommt auch nicht in den Gang, sie will ja nicht reden, sondern ihre “ach ist das alles öde” Show abziehen. Wenn ich ihr dann durch die Blume zu verstehen gebe, dass sie mir mit ihrem Getue “die Suppe versalzen hat”, tut sie so, als verstehe sie nicht. Es ist wirklich selten, dass Emma und ich uns so gar nichts zu sagen haben. Normalerweise haben wir immer Spaß, aber heute Abend klappt es nicht mit uns.

Dann steht plötzlich dieses Mädchen neben mir. Ziemlich hübsch, aber auch ziemlich betrunken, lächelt mich an. Ich lächele zurück, bin halt ein freundlicher Mensch, aber wirklich interessieren tut sie mich nicht, die Kleine. Ist mir viel zu jung. Außerdem habe ich gerade gar keine Augen für andere Frauen. Jenna hat mir ziemlich den Kopf verdreht. Seitdem fallen mir ständig neue Rezeptideen ein. Liebe geht durch den Magen – so sagt man doch? Der Spruch könnte auch von mir sein …

Hab mich aber noch nicht getraut, Emma davon zu erzählen. Jenna ist ja eine gute Freundin von ihr, und es kommt mir ein wenig komisch vor, dass ich mich ausgerechnet in sie verknalle. Fühlt sich fast wie Inzest an, ich kenne sie ja auch schon länger, und wir sind Freunde. Aber da war dieser Tag vor ein paar Wochen.

Wir alle am See, Emma, Jenna, Josh und ich, ist mal richtig heiß an diesem Tag und keine Wolke zu sehen. Die Sommer hier sind wirklich verregnet. Aber ich mag das. Die Stadt ertrinkt im Grün, und es ist wie in einem Aquarium hier, so nass ist die Luft. Lisa klagt oft über Kopfschmerzen, aber ich sage ihr immer wieder, dass das viel besser ist, als diese unerträgliche Hitze, die alles trocken legt. Ich kann Hitze nicht ausstehen und das einzige Nasse an diesem Tag ist der See. Der Himmel ist fast so weiß wie in meiner Heimat. Aber der Wald um den See kühlt die flirrend heiße Sommerluft herrlich ab, und wir genießen eine doppelte Erfrischung.

Der Sommer bringt die Liebe.

Wir liegen also im Schatten der Uferbäume am Liepnitzsee herum, es ist ziemlich still, wir lesen, hängen unseren Gedanken nach und ab und zu tauchen wir in das schöne klare Wasser des Sees ein. Irgendwann schaue ich auf und sehe die Silhouette von Jenna, wie sie ins Wasser watet, rechts von ihr Schilf, ihr Profil, die Sonne beleuchtet ihre Nase, sie lacht, lacht mich an. Und in diesem Moment ist es um mich geschehen. Dieses perlende Lachen. Diese Nase. Warum habe ich das erst jetzt bemerkt?