शुभ बड़ा दिन 

Man sagt, dass Weihnachten ein Fest für die Kinder sei.

Newtown in Connecticut liegt weniger als 100 Meilen südwestlich von meiner Heimatstadt Town of Catskill. Dort sind vorgestern 20 Kinder einer Grundschule von einem jungen Mann erschossen worden. Der Täter hatte zunächst seine Mutter hingerichtet und ist dann in die Schule eingedrungen, in der er ein Massaker angerichtet hat.

Nanagahar ist eine östliche Provinz in Afghanistan. Dort sind heute 10 Mädchen zwischen 9 und 13 Jahren durch eine Landmine ums Leben gekommen. Sie wollten nur Brennholz sammeln, als eine von ihnen zufällig mit einer Axt auf eine Landmine geschlagen hat. Es wird vermutet, dass die Landmine noch aus den Zeiten des sowjetischen Afghanistan-Feldzugs in den 1980er-Jahren stammt.

Weihnachten sollte ein Fest des Friedens sein, ein Fest, bei dem Kinderaugen mit Kerzen um die Wette leuchten. Die Betonung liegt auf sollte – denn die Wirklichkeit sieht leider ganz anders aus. Gerade hat die UNICEF die Bilder des Jahres* ausgezeichnet. In diesem Jahr sind auf 9 von 12 Bildern Kinder zu sehen, wie sie von Krieg, Leid oder Elend umgeben sind. Das ist die bittere Realität, in der singende Engel und leuchtende Bäume keinen Platz haben …

* Aktualisierter Link, hinter dem sich jetzt die Nominierungen von 2025 verbergen. Auf dem ersten Platz ist ein Foto, das zeigt, dass Mädchen in Afghanistan auch 13 Jahre später nicht viel dürfen – zum Beispiel in eine weiterführende Schule gehen. Mit 10 Jahren ist Bildungsschluss.

Merry Christmas

Im Vergleich zu meiner Heimat herrscht hier im Winter ein echter Mangel an Puderzuckerschnee (I really love this expression ;). Deswegen habe ich mich auch unglaublich gefreut, als Emma mir eine Packung Magic Snow Powder zum ersten Advent geschenkt hat. Schnee, Snow, Neige – alles dasselbe?
Ein verbreiteter Irrtum ist, dass die Inuit unglaublich viele Wörter für Schnee haben, denn es sind die zusammengesetzten Wörter für Schnee, die die Variation in der Sprache der Eskimos ausmachen. Was mich nicht davon abhält, hier meine Sammlung der Lieblingsworte für die weißen Flocken zu eröffnen. Das erste Wort ist bereits gesetzt: Schneeflocke.

Wer weiß weitere weiße Wörter?

I’m dreaming of a White Christmas

Betreff: Re: Wie ich mich fühle damit

An: Emma <emma@life-minutes.de>
Von: Jenna <jenna@life-minutes.de>
Datum: 19. November 2012 22:18:23 MESZ

Liebe Emma,

ich freue mich sehr, dass wir uns endlich ausgesprochen haben. Für mich war es eine zu lange Zeit, in der wir nicht miteinander gesprochen haben, ich habe dich vermisst. Auch wenn du mir schon auf den Nerv gegangen bist mit deinem Beleidigtsein. Aber darüber haben wir geredet und dass will ich hier auch gar nicht wiederholen. Manchmal muss es einfach knallen. Wenn man sich hinterher wieder vertragen kann, ist es gut. Schön, dass wir an deinem Geburtstag Versöhnung gefeiert haben.

Es ist schon erstaunlich, wie Liebes- und Beziehungsangelegenheiten sich verkomplizieren, wenn wir erwachsen sind. Als ich ein Mädchen war, erschien mir alles so einfach. Meine erste große Liebe war James Dean. Richtig verknallt war ich in den. Jungs in meinem Alter haben mich damals nicht die Bohne interessiert. Aber Jimmy, der sehr wohl. Ich habe ihn das erste Mal in Rebell Without A Cause gesehen, da muss ich wohl 10 Jahre alt gewesen sein. Und war sofort hin und weg. Ich habe mir vorgestellt, wie es wäre, ihn zu treffen. Das habe ich dann nachgespielt und – in Ermangelung seiner Anwesenheit – den Türrahmen abgeknutscht. Meine erste Zungenkuss-Erfahrung war also eher hölzern.

Nach Jimmy kam Morten Harket. Der hing in allen Varianten als Poster in meinem Zimmer. Zum Küssen habe ich dann Türrahmen gegen Postermund ausgetauscht. War ein wirklich tolles Gefühl damals. Wenn ich heute jung wäre, also wieder ein Mädchen, dann würde ich mich wahrscheinlich in Ezra Miller verlieben.

Manchmal bin ich noch das kleine Mädchen. Mit Patrice fühlt es sich genauso an wie damals – nur dass er beim Küssen nicht nach Holz oder Papier schmeckt, haha. Gerade deshalb ist es mir sehr wichtig, dass ich meine Gefühle für ihn vor dir nicht verstecken muss. Ich weiß, dass ich am Anfang meiner Beziehung zu Patrice genau dass getan habe. Und es tut mir wirklich leid, wenn ich dich verletzt habe. Das wollte ich dir einfach noch mal gesagt haben. Denn Du bist wirklich eine tolle Freundin, die ich nicht vermissen will!

Ich umarme dich!
Deine Jenna

Time for a coffee after the votes?

An: Josh <josh@life-minutes.de>
Von: Jenna <jenna@life-minutes.de>
Datum: 05. November 2012 18:48:23 MESZ

My lovely brother,

How are you? Tomorrow morning would be perfectly fine, should I pick you up at 8:30 for the votes?

Hab mehrfach versucht dich anzurufen. Aber du bist mal wieder unterwegs und schwer zu erreichen. Text messages mag ich nicht so, weißt du ja. Hast du mit Emma mal gesprochen? Sie hat mir gestern eine E-Mail geschickt, die voller Vorwürfe ist. Wegen Patrice. Und mir. Ich weiß ja, dass es nicht gerade glücklich gelaufen ist, dass sie uns auf der Straße getroffen hat, bevor wir es euch sagen konnten. Aber dass sie so beleidigt ist, hätte ich nicht gedacht.

BTW, wie geht’s dir denn damit? Wie ist es eigentlich für dich, dass ich mit Patrice zusammen bin? So wie ich dich kenne, freust du dich bestimmt für mich. Und für Patrice auch. Emma ist einfach zu kompliziert mit diesen Herzensangelegenheiten und nimmt alles persönlich. Sie hat mir geschrieben, dass unsere Freundschaft einen Riss hat. Das verstehe ich irgendwie nicht. Es ist ja nicht so, dass Patrice und ich euch monatelang etwas vorgespielt haben. Unsere Liebe ist ja immer noch ganz frisch, wenn man es genau nimmt. Wir wollten es euch ja auch bald gesagt haben, blöder Zufall halt.

Emma hat auch geschrieben, dass sie es selbst dann nicht so toll gefunden hätte, wenn wir ihr das erzählt hätten. Ich finde wirklich, sie reagiert übertrieben. Wir sind schließlich eigene Menschen mit eigenen Gefühlen und können uns nicht nur nach ihr richten. Sie ist gerade eine echte Drama Queen. Oder siehst du das anders? Findest du, dass sie recht hat? Ich muss diese E-Mail von ihr erst mal verdauen.

Ja, es ist schon richtig: Ich bin tatsächlich ein bisschen wütend auf sie. Und ich habe echt keine Lust, mir mein Glück von ihr versauen zu lassen. Nur weil sie sich nicht genug beachtet fühlt. Okay, ich weiß ja auch, dass ihr beide euch selten seht – so oft, wie du unterwegs bist. Sorry, soll kein Vorwurf sein. Aber das macht es für sie bestimmt nicht leichter, weil sie ja jetzt ein Stück mehr von Patrice und ein Stück mehr von mir abgeben muss. Zumindest sieht sie es so. Auf der anderen Seite hat sie auch viel zu tun. Was also verliert sie denn? Ich sehe den Punkt gerade nicht.

Nun ja, du kennst mich ja. In ein paar Tagen bin ich bestimmt schon weniger grumpy. Trotzdem wäre es echt schön, wenn wir beide mal reden könnten. Hast du morgen nach der Wahl noch Zeit auf einen Kaffee?

Lots of kisses and big hug,

Jenna

Lieber ein guter Film pro Woche als Fernsehen jeden Tag

Wenn nach ein paar schönen sonnigen Tagen ein Gewitter angekündigt wird, herrscht Weltuntergangsstimmung. Die Leute auf den Straßen sind dann immer leicht durchgedreht, irgendwie neben sich und manchmal aggressiv. Ich liebe das. Es fühlt sich für mich dann genau so an, als ob ich mich durch einen Film bewege. Fehlt nur noch die leise, gefährlich klingende Musik über der Stadt, die in Filmen dann begleitend eingespielt wird. Aber das lässt sich leicht simulieren: Ich setze einfach meine Kopfhörer auf und höre In The House – In A Heartbeat vom 28 Days Later Soundtrack. Dann bin ich mitten drin im Zombie-Endzeit-Getümmel.

Ich liebe Filme – wer nicht? Aber knallen muss es. Liebeskomödien oder dialogschwere Dramen sind nichts für mich. Ich will mein Herz klopfen hören, die kribbelnde Spannung in meinem Körper spüren, von Kopf bis Fuß elektrisiert sein, wenn ich einen Film sehe. So geht es mir nur, wenn es richtig zur Sache geht. Halt so wie in 28 Days Later.

Lieber ein guter Film pro Woche als Fernsehen jeden Tag. Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Leute den Fernseher nur deshalb sofort anschalten, wenn sie zu Hause sind, weil ihnen eigentlich langweilig ist. Passiv auf einen Bildschirm zu starren, scheint erst einmal von der eigenen Langeweile abzulenken. Obwohl es eigentlich genau anders herum ist: Vor dem Fernseher zu hängen bedeutet meistens, sich der Langeweile hinzugeben.

Leider muss ich mir hier auch viel zu viel Low TV ansehen, da damit ich die deutschen TV-Sendeformate und Fernsehgewohnheiten analysieren kann. In den USA sind das gängige Fernsehprogramm und die üblichen TV-Sehgewohnheiten sogar noch schlimmer. Es ist es ja bezeichnend, dass in Deutschland viele der billig zu produzierenden Sendeformate aus den USA übernommen werden. Keine sehr schmeichelnde Auszeichnung, die mein Heimatland da hat: Mother of Trash TV.

Und diese ganzen Talk- und Reality Shows sind die Spitze der abgestumpften Unterhaltung. Da wird das langweilige Leben der einen künstlich in ein pseudo-aufregendes Leben umgewandelt, um den anderen zu suggerieren, dass das Leben aufregend sein könnte. Nämlich dann, wenn man ein TV-Star wäre. Und es gibt ziemlich viele Menschen, die als Zurschausteller in diesen Shows auftreten wollen. Weil es offensichtlich genug Zuschauer gibt, die ihrem Exhibitionismus huldigen. Das ist es, was wirklich traurig ist: Diese Formate funktionieren nur deswegen so gut, weil es viele Leute gibt, die diese Berieselung suchen.

Bei dem ganzen Gerede über schlechtes Fernsehen, bekomme ich richtig Lust, mal wieder einen guten Action-Klassiker anzusehen. Ich frage Patrice, ob wir nach dem Essen noch Bullitt ansehen wollen. Erst im L’origine du monde schlemmen, dann mit Steve McQueen eine Runde Muscle Car fahren. Und zum Schluss übereinander herfallen. Könnte ein perfekter Abend werden, heute.

Ich frage mich natürlich, wie die anderen das finden

Manchmal ist es einfach nur gut, ein Buch in der Hand zu halten. Gedruckte Worte auf raschelndem Papier wirken beruhigend auf meine TV-müden Augen. Deshalb liebe ich Bücher. Auch des Geruchs wegen, natürlich.

Am Liepnitzsee vor ein paar Wochen habe ich gerade ein neues Buch angefangen. Girl with Curious Hair von David Foster Wallace. Liest sich nicht so einfach weg, aber ich entleere meinen Kopf ja schon fast jeden Tag, indem ich mir billige TV-Shows und Fernsehformate reinziehe. Alles im Namen der Wissenschaft, natürlich. Aber ziemlich zäh, sich diesen Trash permanent anzutun. Das Buch ist schon super, ich mag Wallace ja sehr. Vor allem wusste ich gar nicht, dass Patrice Wallace auch so sehr mag. Habe ihm eine Kurzgeschichte vorgelesen, und er hat ganz ruhig zugehört. Überhaupt mag ich diese ruhige Art von Patrice sehr, und dabei ist er ziemlich anziehend.

Es gibt keinen besseren Sommerort auf dieser Welt.

Und der Sex letzte Nacht war wirklich gut. Habe schon lange meinen Körper nicht mehr so gespürt. Vielleicht lag es an dem Hunger, an dem Durst, an der inneren Hitze. Wir kennen uns schon länger und plötzlich war da diese Leidenschaft füreinander. Es hat nur eine Sekunde gebraucht, vielleicht war es das Licht an diesem See, und wir wussten beide, dass wir uns verliebt haben.

Ich frage mich natürlich, wie die anderen das finden. Vor allem Josh und Emma. Josh lässt sich jedenfalls nichts anmerken, auch wenn es ihm komisch vorkommen sollte. Aber so ist er, mein Bruder. Nicht sonderlich gefühlsbetont. Wahrscheinlich findet er es einfach nur funny. Und Emma? Die scheint schon ein bisschen sauer zu sein. War auch nicht gerade glücklich, dass wir sie auf der Straße treffen, bevor wir ihr gesagt haben, was los ist. Allerdings macht sie es einem auch echt schwer damit. Emma will immer die Hauptperson sein. Ich wollte es ihr ja schon längst gesagt haben, hab mich aber nicht getraut. Ich weiß ja, dass es doof von mir ist, sonst erzähle ich immer alles. Aber in diesem Fall ist es mir echt schwer gefallen. Weil ich ihre Freundin bin und Patrice ihr Bruder. Allerdings ist sie ja auch mit meinem Bruder zusammen. Warum sollte sie es umgekehrt nicht akzeptieren können?

Nur weil ich Emma durch Josh kennengelernt habe, muss ich kein schlechtes Gewissen haben. Ich hätte es ihr sowieso bald erzählt. Sollte ja kein Geheimnis sein. Obwohl – spannend war es schon, als nur Patrice und ich davon wussten. Ein bisschen wie eine verbotene Liebe. Aber jetzt ist raus. Und Emma soll sich nicht so anstellen. Ich sollte ihr das mal sagen.