Wie sieht eigentlich ein Engel aus? Hochgewachsen, wie ein Krieger mit flammendem Schwert in der Hand? Oder wie die barocken Putten, die an ein zu dickes, blondgelocktes Kind mit Miniflügeln erinnern? Und warum sind Engel besonders in der Weihnachtszeit so beliebt? Sie hängen als Christbaumschmuck in Tannenzweigen oder halten mit aufgeblähten Backen rote oder weiße Kerzen in den Händen.
Dabei begleiten Engel uns das ganze Jahr über:
Wenn uns bei einem Unfall nichts passiert ist, war unser Schutzengel zur Stelle.
Die Band Real Life hat sich in den 80er Jahren mit Send Me An Angel einen Himmelsboten herbei gesungen.
Wenn wir mit Engelszungen auf jemanden einreden, dann wollen wir denjenigen von etwas überzeugen.
Manchmal fallen Engelstränen vom Himmel, wenn es in Strömen regnet.
Los Angeles ist die Stadt der Engel.
Wenn eine Frau ihre Ehre verliert, dann wird sie als gefallener Engel bezeichnet. Marlene Dietrich spielte die Hauptrolle in dem Film Der blaue Engel, in dem ein älterer Lehrer an seiner Liebe zu einer Varieté-Tänzerin zu Grunde geht. Die Romanvorlage von Heinrich Mann hatte einen deutlich weniger schönen, wenn auch vielleicht passenderen Titel zum Thema: Professor Unrat.
Apropos Film: In Der Himmel über Berlin lässt Wim Wenders Bruno Ganz als Engel Damiel auf der Schulter der Goldlese Platz nehmen. Im neuen Ken Loach Film geht es um Angel’s Share – dem Schluck der Engel, was eine liebevolle Bezeichnung für besonders guten Whisky ist.
Engelmacher hingegen ist ein zynischer Begriff für Ärzte, die Abtreibungen vornehmen.
Nicht zuletzt sind die Engel mitten unter uns: Die Anges in Frankreich, die Angels in Spanien, die Angelos in Italien und alle Angelas und Angelikas in Deutschland.
Es braucht also nicht Weihnachten oder Barock, um die Engel Engel sein zu lassen.





