Was hätte ich wohl geantwortet?

Ich war heute mit Vince bei Emma und wir haben uns noch einmal das Interview angehört. Es war irgendwie komisch die Stimme von Vince zu hören und wie er von Dingen erzählt, von denen ich teilweise noch gar nichts wußte. Aber ich finde es toll, dass Vince so offen mit Emma spricht. Die beiden haben auch viel gelacht und hatten offen hörbar viel Spaß. Das ist echt cool.

Ich habe bei einigen Fragen überlegt, was ich wohl geantwortet hätte. Als Mädchen, mit 8 oder 9 Jahren, habe ich mir selbst gerne Fragen gestellt und diese beantwortet. Die Antworten auf die Fragen waren immer anders, je nachdem welche Rolle ich mir selbst zugeschrieben habe. Ich war das bekannteste Mädchen der Welt oder die Anführerin einer Räuberbande oder eine Prinzessin aus 1.001 Nacht. Ich habe meine Interviews in ein Heft geschrieben, dass rosafarbene Blümchen auf dem Einband hatte. Das Heft habe ich immer noch. Es liegt in meiner alten Kommode in der zweiten Schublade von unten. Ich hole es heraus und lese darin, wenn ich Kummer habe. Dann erscheint mir die Welt wieder leichter und heiterer. Ich habe zwei Fragen, die Emma Vince gestellt hat, notiert. Sie sind sehr unterschiedlich und haben keinen Bezug zueinander. Aber es sind Fragen, die mich persönlich etwas angehen. Deshalb wollte ich sie für mich beantworten. Als Lisa.

Grenzen zu überschreiten bedeutet auch, ein Risiko einzugehen. Es kann leicht passieren, dass man sich ausgegrenzt fühlt. Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?

Sich ausgegrenzt zu fühlen, hat nicht immer damit zu tun, dass man anders aussieht, aus einem anderen Land kommt, eine andere Sprache spricht oder eine andere Religion hat. Ich habe mich jahrelang ausgegrenzt gefühlt, weil meine Mutter Alkoholikerin gewesen ist. Ich habe natürlich nicht aktiv oder bewusst eine Grenze überschritten. Aber meine Mutter hat das mit ihrer Trinkerei getan. Und mich gewissermaßen einfach mitgenommen und zwar ohne mich zu fragen. Ich habe mich ausgegrenzt gefühlt, weil ich meine Klassenkameraden nicht spontan zu uns nach Hause einladen konnte. Es wäre für mich unerträglich gewesen, wenn meine Schulfreunde meine Mutter betrunken angetroffen hätten. Natürlich haben das viele meiner Freunde seltsam gefunden und haben hinter meinem Rücken darüber gelästert. Manchmal hat mich jemand gefragt, was denn bei uns los sei, weil ich nur selten jemanden mitbringen könne, dass sei ja nicht normal. Aber nie hat mich jemand gefragt, wie es mir geht damit. Auch das ist Ausgrenzung. In diesem Fall hat es für mich keine Sprache gegeben, die ich hätte lernen können, um mich besser verständlich zu machen.

Welches Bild kommt die als erstes in den Sinn, wenn du an Frankreich denkst?

Essen. In Frankreich hat das Essen einen sehr hohen Stellenwert. Jede Region in Frankreich hat ihre eigene kulinarische Spezialität, auf die sie stolz ist. Das kann das Huhn aus der Bresse oder der Camembert aus der Normandie, der Pineau aus der Charente, der Wein aus Bordeaux oder die Linsen aus Puy sein. Aus Deutschland kenne ich das nicht, dass Regionen sich über Essen und Trinken definieren. Gerade in Berlin oder Brandenburg ist das tatsächlich schwierig, denn hier gibt es einfach nichts kulinarisch Erwähnenswertes. Da fällt mir ein, dass es vielleicht nicht ganz so stimmt, was ich gerade gesagt habe. Es gibt auch in Deutschland Regionen, die sich eine kulinarische Identität erschaffen. In Hessen sind das Apfelwein, Handkäse mit Musik oder Grüne Soße. Ich hatte das fast vergessen, weil ich nur zweimal in meinem Leben in Frankfurt gewesen bin, um meine damalige Brieffreundin zu besuchen. Trotzdem glaube ich, dass der kulinarische Stolz in Frankreich stärker ausgeprägt ist als in Deutschland.

Zalig Kerstfeest

Auch wenn ich nicht ganz so ballettverrückt bin wie Lisa, habe ich die Antworten auf das Quiz meines Vaters sofort parat gehabt. Lisa würde jetzt lachend mutmaßen, dass es daran liegen könnte, weil es irgendwas mit Nüssen zu tun hat.

1 Wie heißt das berühmte Ballett, das gerne zur Weihnachtszeit aufgeführt wird?
Der Nussknacker
2 Wer hat die Geschichte, auf der dieses Stück basiert, ursprünglich geschrieben?
E. T. A. Hoffmann (Nussknacker und Mausekönig)
3 Wer war der Komponist, der die Geschichte dann vertont hat?
Pjotr Iljitsch Tschaikowski

… Weihnachtsnüsse ess ich gern – für Engelszungen

Kleines Nuss-Lexikon
Nüsse oder Nussfrüchte sind Schließfrüchte, bei denen die Schichten der Fruchtwand verholzen und den Samen umschließen. Die handelsübliche Bezeichnung für essbare Nüsse ist Schalenobst oder Schalenfrüchte.
___ Die Walnuss
Sieht aus wie ein Mini-Gehirn und steckt in der Tat voller wertvoller Inhaltsstoffe für Hirn und Herz. Schmeckt in Salaten, auf Suppen, in Brot (salzig) und Gebäck (süß).
___ Die Haselnuss
Ist fast kugelrund und wird auch gerne (zu Unrecht wie ich finde) mit dem Attribut gemein (im Sinne von gewöhnlich) versehen. Schmeckt gepresst als Öl, aromatisiert Essig und macht Schokolade bissfest.
___ Die Erdnuss
Kann ohne Nussknacker mit den Händen geknackt werden und gleich weggeknabbert werden. Ergänzt hervorragend die südostasiatische Küche in Currys, Salaten und Saucen.
___ Die Pistazie
Grün und weich im Geschmack, schmeckt geröstet und gesalzen aber auch zu Süßspeisen, mit Käse und Wurst oder in italienischer Pesto.
___ Die Mandel
Blüht und duftet im Frühjahr in Südeuropa, schmeckt in Herbst und gibt Kraft im Winter. Karamellisiert auf jedem Jahrmarkt zu finden, und zur Weihnachtszeit Hauptbestandteil vieler Plätzchen. Lecker auch als Füllung in grünen Oliven oder als cremige Suppe.
___ Die Macademia
Die Königin unter den Nüssen. Sehr weich im Biss, feiner butterzarter Geschmack. Besonders lecker in Gebäck oder mit Eiscreme.

Warum habe ich mich mit ihm zum Essen getroffen?

Ich habe mich selten so schlecht gefühlt. Ich, die sich ihrer Sache immer so sicher ist, habe mich dazu hinreißen lassen. Jetzt ist es zu spät, Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Nach dem Besuch auf dem Weihnachtsmarkt wollte ich ihn gar nicht wieder sehen. Ach was, ich wollte ihn wieder sehen, aber ich habe mir gewünscht, dass ich es nicht wollen würde und dass er sich nicht mehr meldet. Natürlich hat er sich gemeldet. Und gefragt, wann wir uns treffen. Es war gar nicht mehr die Frage nach dem OB, es ging nur noch um das WANN.

Eigentlich wollte ich am Samstag zu Hause bleiben, um Kerzen zu ziehen. Als mein Telefon geklingelt hat, wusste ich schon, dass er es ist. Er hat mir gesagt, dass er mich gerne zum Essen einladen möchte, er hätte heute Abend Zeit und ich könne mir aussuchen, ob lieber Sushi oder Pasta. Wir haben uns dann bei einem kleinen Italiener in Prenzlauer Berg getroffen. Die Nudeln waren wirklich lecker, aber ich habe vor Aufregung kaum einen Bissen herunter bekommen, was ihn offensichtlich amüsiert hat. Trotzdem hat er noch, ganz Gentleman, ein Dessert – mein Lieblingsdessert – bestellt. Ich hatte ihm nie gesagt, dass es für mich nichts besseres als Schokoladensoufflé mit Vanilleeis gibt. Dann hat er mich zum Taxistand gebracht und mich zum Abschied geküsst. Richtig geküsst. Aus dem Abschied wurde nichts.

Wir sind zu mir gefahren, haben wild geknutscht und sind schon im Flur regelrecht übereinander hergefallen. Zuerst hat sich auch unglaublich gut angefühlt – solange ich meinen Kopf nicht eingeschaltet habe. Aber schon während wir miteinander geschlafen haben, hat sich mein Gewissen mit aller Macht gemeldet. Als es vorbei war, hat er sich rasch angezogen und gesagt, dass er gehen müsse. Und dass wir besser niemandem davon erzählen. Dann hat er noch gemurmelt, dass er sich meldet.

Ich würde gerne noch mal mit Josh darüber sprechen, was passiert ist. Aber er antwortet nicht auf meine SMS. Feigling.

Feliz Natal

Berlin liegt unter einer Schneedecke. Es ist bitterkalt da draußen, Streusplitter knirschen unter meinen Stiefelsohlen, der Atem gefriert sobald er den Mund verlassen hat. Wie gut, dass ich jetzt zu Hause bin, mich an meiner Tasse Tee wärmen kann. Meine Küche duftet nach Apfelmus mit Zimt und Nelken (das habe ich für Vince gekocht, er mag es so gern und die Äpfel waren genau richtig runzelig dafür).

{ Tür am 12.12.12 } Heute gibt es noch mal drei Rätselbildausschnitte für Rätselbildauschnittrater.

Gajan Kristnaskon

Bei der schier unglaublichen Fülle an süßen Leckereien zur Weihnachtszeit zeichnet sich das Dessert eher durch angenehme Zurückhaltung aus. Um das Menü in diesem Jahr rund zu machen, habe ich eine Variante der Kalten Ente gewählt. Nach einem üppigen Mahl wirkt dieser fruchtig-erfrischende Nachtisch anregend. Das Sorbet räumt den Magen auf und passt hervorragend zu einem Vouvray von der Loire or Champagner.

Passt gut zur kalten Ente: Butterplätzchen und Weihnachtsmandeln

Kalte Ente mit Limetten-Sorbet
___Für 6 Personen
10 Limetten
3 Tassen Zucker
1,5 Tassen Wasser
10 Blatter Basikum + weitere Bätter zur Dekoration
2 Eiweiß
___Zubereitung
Eiweiß steif schlagen, bis es schnittfest ist. Zucker mit dem Wasser verrühren. Die sehr fein geriebene Schale von etwa 6 Limetten in das Zuckerwasser geben. Von zwei weiteren Limetten die Haut in feinen Streifen abziehen und zur Seite stellen.

Alle Limetten auspressen, zunächst 3/4 des Limettensaftes hinzugeben und probieren. Je nach Geschmack mehr Saft zugeben. Basilikum sehr fein hacken und mit dem Limetten-Zuckerwasser verrühren. Etwa 5 Minuten ziehen lassen, dann das Wasser durch ein Sieb in eine Schale gießen.

Dann den Einschnee schnell unterheben und die Masse sofort in den Gefrierschrank geben und ca. 25 Minuten kalt stellen.

Das Sorbet mit einem Schneebesen aufschlagen und für weitere 25 Minuten in den Gefrierschrank geben. Wenn die Masse nicht mehr flüssig, aber auch nicht sehr fest ist, aus dem Gefrierschrank nehmen und mit einem Esslöffel das Sorbet in Nocken in bauchige Rotweingläser geben (pro Glas 2 Nocken). Die Limettenzesten über das Sorbet streuen und die Gläser ca. zu 1/2 mit gut gekühltem Vouvray oder Champagner auffüllen. Mit Basilikumblättern dekorieren.

חג מולד שמח

15 Jahre lang habe ich Weihnachten nicht gefeiert. Das war die Zeit, in der ich in Israel gelebt habe. Auf Christstollen musste ich in dieser Zeit glücklicherweise nicht verzichten, da meine Berliner Familie mir jedes Jahr ein Päckchen mit diesem leckeren Gebäck geschickt hat. Jetzt bin ich diejenige, die Stollenpakete nach Israel schickt. Einige meiner Freunde und Verwandten in Tel Aviv und Haifa sind ganz verrückt nach diesem schweren, süßen Gebäck – wer kann es ihnen verdenken, auch wenn Christstollen, wie der Name schon sagt, ein ursprünglich christliches Fastenbrot gewesen ist und nicht koscher zubereitet wird.

Honig- oder Lebkuchen hingegen sind auch in der jüdischen Küche sehr bekannt. Zum jüdischen Neujahrestag Roch Hachana ראש השנה, der immer im September oder Oktober liegt, wird Honek-Lejkech, Honigkuchen mit Weintrauben, süßem Wein und in Honig getauchte Apfelschnitzern gereicht, um der Hoffnung auf ein gutes, süßes Jahr Ausdruck zu verleihen.

Der Stollen: Rosinen, Mandeln, Zucker und viel Butter

Warum kommt deine Mutter nicht zum Geburtstagsessen?

Es sind noch drei Minuten bis Mitternacht, die Gäste haben sich schon alle verabschiedet und ich sitze an meinem Schreibtisch und schaue durch das Fenster auf das verschneite Dach gegenüber. Vincent wäscht noch ab, ich höre ihn in der Küche pfeifen, und das macht mich glücklich. Er hat mir sehr gefehlt in den Wochen, in denen er nicht hier gewesen ist.

Der Abend war wunderschön. Patrice hat gekocht, es gab geröstetes Maronenpüree mit selbstgebeiztem Wildlachs, Hühnchen in der Lavendel-Salzkruste und zum Abschluss Mousse au Chocolat. Ich kenne außer Vince niemanden, der genauso so vernarrt in dieses französische Schokoladenzeug ist wie ich. Und die Mousse von Patrice ist so unglaublich gut, man könnte fast meinen, sie sei nicht von Menschenhand gemacht. Alles in allem war es das beste Geburtstagsessen, dass ich je hatte (aber das sage ich jedes Jahr). Mein Bruder ist einfach ein Kochgott.

Das Essen schmeckt mir wahrscheinlich noch mal so gut, weil meine ganzen liebsten Menschen mit gegessen haben: Vince, Papa, Emma und Patrice, Josh und Jenna, Sevtap und Peter. Also fast alle – alle außer meiner Mutter. Vincent hat mich zwar gefragt, ob ich es in diesem Jahr nicht mal versuchen wolle. Aber ich kann mich nicht überwinden. Ich weiß ja, dass es albern ist, aber ich kann nicht anders. Sie ist schließlich erwachsen und wird oft genug mit Gelegenheiten konfrontiert, in denen Alkohol getrunken wird. Wenn sie saufen will, dann tut sie das. Dass Mama seit 2006 trocken ist und keinen Tropfen mehr anrührt, beruhigt mich nicht. Meine Angst sitzt zu tief, die Erinnerungen an die Zeit, in der sie betrunken und lallend in unserer Wohnung herumgelegen hat, sind immer noch zu stark. Mama versteht das zum Glück. Ich bin sehr gerne mit ihr zusammen. Seitdem sie wieder gesund ist, verstehen wir uns richtig gut und wir reden und lachen viel. Aber ich mag nicht mit ihr sein, wenn wir irgendwo sind, wo Alkohol getrunken wird.

Papa hat mich heute zum ersten Mal gefragt, ob ich Marlene eingeladen habe. Ich habe gesagt, dass sie verhindert sei, krank oder so. Er hat dann nicht weiter gefragt, aber es hat mich schon verwundert: Er hat mich das noch nie gefragt. Er weiß noch immer nichts von Mamas Alkoholproblem. Ich war 5 Jahre alt, als sie sich getrennt haben und Papa war dann nicht mehr bei uns zu Hause. Mama und er haben sich zwar regelmäßig gesehen, aber Mama ist eine gute Schauspielerin und hat sich stets zusammen gerissen. Und ich habe nichts gesagt. Ich wusste einfach nicht, was ich hätte sagen sollen. Ich wusste ja irgendwann auch, dass Papa noch eine andere Familie hat und spätestens dann habe ich mich nicht mehr getraut. Als er mich heute nach Marlene gefragt hat, hat sich das schon seltsam angefühlt. Vielleicht ist es aber gar nicht so komisch? Vielleicht habe ich mit meinen Fragen etwas in ihm ausgelöst. Auch wenn ich von ihm noch keine Antworten darauf bekommen habe.

Jabbama be salla Kirismati

Nicht essbar, aber schön anzusehen: Weihnachtskrimskrams aus Stroh

Als Emma mich gefragt hat, was das ist, dachte ich sofort an Spaghetti. Tatsächlich ist das ein Engel mit einem Rentier. Ich muss wohl sehr hungrig gewesen sein, um an Pasta zu denken – ist ja ein vorweihnachtliches Rätsel, das hat wohl wenig mit Nudeln zu tun. Obwohl, eigentlich ist das gar keine so schlechte Idee. Ich wollte in diesem Jahr ein thematisches Weihnachtsmenü machen: vom Amuse Bouche bis zum Dessert alles Ente. Da würden Capellini mit Entenbrust sehr gut passen.

Capellini mit Orangen-Pflaumen-Sauce und Entenbrust

____Für 6 Portionen

Salz, Pfeffer
2 Orangen
5 getrocknete Pflaumen
40 g Schalotten
1 kleine rote Chilischote
1-2 El Fenchelsaat
3-4 Stiele Estragon
150 g Crème Fraiche
300 g Kirschtomaten
6 El Olivenöl
2 El Honig
2 Entenbrustfilets (à ca. 200 g)
300 g Capellini (sehr feine Spaghetti)

____Zubereitung

Von einer Orange (unbehandelt) etwa 1/3 der Schale mit einem Zestenreißer in dünnen Streifen abziehen. Die Orangen aufschneiden und filetieren. Die Pflaumen in feine Streifen schneiden. Schalotten fein würfeln. Chili putzen und fein schneiden. Fenchelsaat in einem Mörser mittelgrob zerstoßen. Estragonblätter abzupfen und fein schneiden. Orangenzesten in kochendem Wasser 10 Sekunden blanchieren, abgießen und abtropfen lassen. Creme Fraiche mit Estragon und Orangenzesten verrühren, mit Salz und Pfeffer würzen und zur Seite stellen. Kirschtomaten waschen, mit 2 El Öl, Salz und Honig mischen.

Die Hautseite der Entenbrüste kreuzweise leicht einschneiden. Entenbrüste mit der Hautseite nach unten in eine beschichtete Pfanne legen und bei starker Hitze 2-3 Minuten goldbraun braten. Dann auf ein mit Alufolie belegtes Backblech legen und im vorgeheizten Backofen auf der 2. Schiene von unten bei 180 Grad weitere 8-10 Minuten garen (Gas Stufe 2-3). Entenbrüste herausnehmen und in einer mit einem Teller abgedeckten Schüssel warm halten. Tomaten auf das Backblech legen und im Ofen bei gleicher Temperatur 10 Minuten garen, bis sie leicht aufplatzen.

Nudeln nach Packungsanweisung in kochendem Salzwasser bissfest kochen, in einem Sieb abtropfen lassen. Öl in einer Pfanne erhitzen, Schalotten, Chili und Fenchelsaat scharf anbraten. Dann Pflaumen und Orangenfilets dazugeben. Mit der vorbereiteten Cröme Fraiche vermengen und leicht köcheln lassen.

Entenbrust aus der Schüssel nehmen und in Scheiben schneiden. Bratsaft in der Schüssel zu der Sauce geben und vermengen. Nudeln in Nestern auf die Teller geben, mit der Orangen-Pflaumen-Sauce übergießen, Entenbrust und Kirschtomaten darauf verteilen und servieren.

Betreff: Eine Torte für meine geliebte Frau

An: Jenna <jenna@life-minutes.de>
Von: Patrice <patrice@life-minutes.de>
Datum: 15. November 2012 16:36:23 MESZ

Geliebte Frau,

kein Eisnebel auf dieser Welt kann so frostig sein, dass er meine heiße Sehnsucht nach dir abkühlen könnte. Ich muss und will es dir immer wieder sagen: Ich liebe dich. Gerade dann, wenn ich nicht bei dir sein kann, was in dieser Zeit saisonbedingt leider recht oft noch passieren wird, will ich, dass du weißt, dass ich dich in meinem Herzen trage.

Was machst du gerade? Ich stelle mir vor, dass du in eine Decke gehüllt an deinem Schreibtisch sitzt. Das Licht ist wie immer gedimmt, du magst es dunkel und etwas kühler, obwohl du ein Sommerkind bist. Jetzt streichst du eine Strähne, die sich aus deinem Zopf gelöst hat, aus deinem Haar und legst sie gedankenversunken hinter dein zartes Ohr. Ach Jenna, ich sehe dich genau vor mir. Ich mag es so sehr, wenn du voll konzentriert an deiner Arbeit sitzt und immer dann deine Stirn hochziehst, wenn dir eine neue Idee gekommen ist. Ich bewundere ich dich dafür. Ich könnte mich niemals stundenlang durch das Internet wühlen, dabei Gedanken zu Worten werden lassen, dann wieder einen Video-Ausschnitt ansehen und diesen mit klaren, analytischen Sätzen bewerten. Du schmunzelst, wenn ich dir das sage. Dir fällt es leicht zu forschen und den Dingen auf den Grund zu gehen.

Ich bin mehr für das Praktische, muss etwas mit meinen Händen tun. Deshalb habe ich dir noch eine herrlich duftende Tarte Normande gebacken, bevor ich heute zur Arbeit gehe. Du kannst sie dir sehr gerne bei mir abholen, sie steht auf dem Küchentresen bereit zum Verzehr. Wenn du magst, bleibst du bei mir und wärmst das Bett. Ich werde zwar nicht vor 1 Uhr zu Hause sein, aber du machst mich zum glücklichsten Mann auf dieser Erde, wenn ich deinen warmen, weichen Körper heute Nacht neben mir spüren darf.

Geliebte Frau, fühle dich geküsst von mir!
Dein Patrice

Sie hat mein Leben wieder zum Blühen gebracht

Diese Frau ist wie eine saftige Tarte Normande, sie duftet nach Äpfeln, schmeckt nach Zimt, Zucker und Butter, ihre Haut ist knusprig wie der Tortenboden und ihre Brüste zart wie das Fruchtfleisch. Sie inspiriert mich zu neuen Rezepten, ich könnte von morgens bis abends einfach nur kochen, wenn sie nur daneben sitzt und mit ihr essen, sie lieben und dann wieder kochen, mit ihr essen, sie lieben…

Gut für Gaumen und Inspiration: die Liebe.

Emma scheint mir nicht gerade glücklich darüber zu sein, dass Jenna und ich zueinander gefunden haben. Ich kann gut verstehen, dass sie tief gekränkt ist. Es wäre sicherlich klüger und einfühlsamer gewesen, ihr zu erzählen, dass wir zusammen sind. Sie versucht sich nichts anmerken zu lassen, aber ich kenne meine Schwester zu gut. Ich weiß, dass sie sich alleine gelassen, vielleicht sogar einsam fühlt. In meiner Heimat sagt man „Pauvre est celui qui est seul.“ Wie wahr es ist: Auch wenn die Einsamkeit nur ein Gefühl ist, sie ist da und real für den, der sie spürt.

Ich weiß, wie es ist, sich allein gelassen zu fühlen. Ich war lange Zeit ganz allein auf dieser Welt. Als Emma und ich uns kennen gelernt haben, habe ich gedacht, dass ich der einsamste Junge auf dieser Welt bin. Und dann war Emma plötzlich da und ich war nicht mehr einsam. Gleich als ich sie gesehen habe, wußte ich, dass sie meine Schwester ist. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich einen anderen Menschen getroffen, der mich, mein Innerstes sofort erkennt – obwohl Emma in Deutschland geboren und aufgewachsen ist und ich aus dem Senegal kam, wir damals kaum die gleiche Sprache gesprochen haben und unsere Biographien unterschiedlicher nicht hätten sein können.

Umgekehrt ging es ihr ganz genauso. Es ist mehr als ein großes Glück, dass ich Emma getroffen habe, als ich nach Deutschland kam. Sie hat mein Leben wieder zum Blühen gebracht. Und ich habe ihr das Lachen und die Freude zurück gegeben. Sie hat mir damals alles erzählt, diese widerliche Grausamkeit, die ihr als kleines Mädchen angetan worden ist. Ich bin immer noch der Einzige, dem sie sich anvertraut hat (wenn man mal von dem Therapeuten absieht). Diese Geschichte hat sie zu einer sehr empfindsamen wie auch empfindlichen Frau gemacht. Meine Beziehung zu Emma ist es etwas ganz besonderes und wird es auch immer bleiben. So etwas passiert dir, wenn überhaupt, nur einmal im Leben. Und ich hoffe sehr, dass sie dieses Band immer noch spürt.

Mit den anderen in meiner zweiten Familie ist es anders. Sie sind mir nah, aber sind nicht aus demselben Holz wie Emma und ich geschnitzt. Lisa ist meine kleine Schwester, Hans mein Vater. Und Elisabeth war eine liebende Mutter für mich, ich vermisse sie immer noch so sehr wie ich meine Familie im Senegal vermisse. Auch wenn ich mich an die Zusammensetzung der Familie erst gewöhnen musste. Man sagt hier wohl Patchwork-Familie dazu. Ein dämlicher Begriff ist das. Als wäre eine Familie ein großer Flickenteppich und wir alle ein Fetzen Stoff, der die Familie zusammenhält. Und jetzt noch Jenna, diese wunderbare Frau. Noch mehr Patchwork, wenn man es genau nimmt. Also wenn wir alle Fetzen wären.