Du hast eine neue Nachricht von Sevtap

Peter

26.09.2012 09:14

hey sevtap,

wie geht’s? hat mich gefreut, dass du auf meiner party warst. hast die feier echt zum glänzen gebracht. hab nicht gewusst, dass lisa so ne schöne freundin hat ;) also würd mich echt freuen, wenn wir uns bald mal wiedersehen. hab dir auch gerade eine freundschaftsanfrage geschickt – können ja hier mal in kontakt bleiben.

es grüßt dich: der peter

15.10.2012 00:23

hi du,

bist wohl nicht so aktiv hier unterwegs? hab ja leider deine telnummer nicht und lisa wollte mir die nicht geben. musste schon selbst fragen, hat sie gesagt. dann tu ich das mal ganz unbescheiden und hoffe, du liest das bald mal hier. wollte dich nämlich fragen, ob du bock hast, mit mir mal auszugehen? da gibt’s ein paar nette bars bei mir in der ecke – vielleicht mal ein oder zwei getränke oder so? kino wär auch ne idee, anfang november kommt der neue bond raus. auf den steht ihr mädels doch ziemlich ;) also meld dich!

lg, der peter

10.11.2012 17:23

ehrlich gesagt, fände ich es schon cool, mal eine antwort von dir zu bekommen. langsam glaub ich nicht mehr so dran, dass du einfach nur selten hier bist**. oder doch? auf meiner party hatte ich schon das gefühl, dass du mich auch ganz gut findest. sag doch einfach mal bescheid, ob ja oder nein. dann weiß ich wenigstens, ob sich das lohnt, dich weiter anzuschreiben. wenn dir das mit dem kino zu forsch war, können wir ja auch ganz unverbindlich was trinken gehen. hatte ich dir schon angeboten, ist nichts dabei, oder?

ich kann dich leider nicht zu einem konzert von uns einladen, weil wir noch gar nicht wissen, wann wir auftreten, haha. würd auch ungern so lange warten, dich wiederzusehen, bis es mal soweit ist. also trau dich ruhig. ich beiße bestimmt auch nicht ohne aufforderung ;).

der peter

24.11.2012 13:56

Peter,

Hartnäckigkeit wird nicht immer belohnt. Ich habe gehofft, dass ich es mir sparen kann, dir zu antworten. Schließlich fühle ich mich nicht verpflichtet dazu, ich habe dir ja weder meine Telefonnummer gegeben, noch habe ich deine Anfragen in Facebook beantwortet. Nachdem du aber nicht locker lässt und jetzt sogar mein E-Mail-Postfach nicht verschont bleibt, lass es dir gesagt sein: Ich habe überhaupt gar kein Interesse daran, mich mit dir zu treffen. Lass mich bitte in Ruhe, mich nerven deine Nachrichten.

Danke, Sevtap

Betreff: Lust auf ein Interview?

An: Vincent <vincent@life-minutes.de>
Von: Sevtap <sevtap@life-minutes.de>
Datum: 23. November 2012 14:14:23 MESZ

Hey Sevtap,

wie geht’s? Ich komme gerade von meinem Interview mit Lisas Schwester – hat wirklich Spaß gemacht. Emma arbeitet an einer Reportage über Grenzgänger. Sie befragt dazu Leute, deren Leben durch das Überschreiten von Grenzen erheblich beeinflusst ist. Dabei benutzt Emma reale staatliche Grenzen eher als Metaphern für die Grenzen, die wir in unseren Köpfen haben. Ich finde das Projekt echt spannend und habe sofort zugesagt, als Emma mich gefragt hat, ob ich ihr ein Interview geben mag.

Ich habe ihr erzählt, wie meine algerischen Großeltern nach Frankreich gekommen sind und wie es für meinen Vater gewesen ist, der in Frankreich geboren und aufgewachsen ist. Er kennt Algerien nicht besser als ich, also nur durch wenige kurze Besuche. Ich habe an dich gedacht, weil wir uns vor kurzem länger über unsere Familien unterhalten haben. Deine Großeltern sind ja auch von der Türkei nach Deutschland eingewandert, allerdings sind deine Eltern noch in der Türkei geboren, dann aber in Deutschland aufgewachsen.

Emma sucht genau solche Geschichten und du hast einiges zu erzählen. Vielleicht hast du Lust, dich mit Emma zu treffen? Du kannst dich direkt mit ihr in Verbindung setzen, du kennst sie ja. Überleg es dir, Emma freut sich bestimmt.

A+
Vince

P.S. Lisa und ich gehen heute Abend ins Kino und sehen uns Cloud Atlas an. Sag Bescheid, ob du Zeit und Lust hast, mitzukommen.

Betreff: Wann können wir uns zum Interview treffen?

An: Vincent <vincent@life-minutes.de>
Von: Emma <emma@life-minutes.de>
Datum: 20. November 2012 19:12:23 MESZ

Hallo Vincent,

ich habe mich gefreut, als Lisa mir erzählt hat, dass es deinem Vater besser geht. Ich weiß ja genau wie es sich anfühlt. Als meine Mutter mir damals gesagt hat, dass sie an Krebs erkrankt ist, dachte ich, ich würde durchdrehen. Die Nachricht hat mich tief erschüttert. Ich habe damals die Hoffnung nicht aufgegeben. Leider hat meine Mutter am Ende den Kampf gegen den Krebs verloren.

Ich habe es damals als unglaubliche Ungerechtigkeit empfunden, als Elisabeth mit nur 55 Jahren gestorben ist. Und ich habe meinem Vater bittere Vorwürfe gemacht. Ich habe geglaubt, dass er Mitschuld an dem Tod meiner Mutter hat. Weil sie doch sehr gelitten hat, als Hans ihr von Marlene erzählt hat. Ich habe damals wirklich geglaubt, dass der Kummer den Krebs in sie gepflanzt hat.

Heute weiß ich es besser. Wir sind sterblich, aber der Abschied ist unfassbar schmerzlich, wenn der Mensch noch nicht so alt gewesen ist, wie wir es heutzutage erwarten. Deshalb brauchen wir immer einen nachvollziehbaren Grund, damit wir verstehen können, warum jemand so früh gestorben ist. Meistens ist der Grund ein anderer Mensch, der die Schuld an dem Tod des Verstorbenen auf sich nehmen muss. Deshalb habe ich meinen Vater damals angeklagt und für schuldig befunden und ich habe länger als ein Jahr nicht mehr mit ihm gesprochen.

Heute bin ich unendlich froh, dass ich meinen Vater noch habe. Ich habe verstanden, dass der nicht der Schuldige ist und ich habe mir meine unendliche Härte ihm gegenüber verziehen. Was bringt es, die wichtigsten Menschen aus seinem Leben zu verbannen, wenn sie doch leben und bei dir sein können? Meine Mutter lebt in meinem Herzen weiter, und wenn ich mal nicht weiter weiß, spreche ich in Gedanken mit ihr und sie gibt mir einen guten Rat.

Jetzt habe ich viele Worte gemacht und es klingt fast so, als wollte ich dir mein Beileid aussprechen – was ja zum Glück nicht der Fall ist. Ich wollte dir nur sagen, dass ich wirklich froh bin, dass dein Papa wieder wohlauf ist. Aber das Thema berührt mich sehr, ich hoffe, du verstehst das. Eigentlich wollte ich dich fragen, wann wir uns für das Interview treffen? Deine Familiengeschichte passt hervorragend zum Thema – also zum Thema meiner Reportage über Grenzgänger. Diese Woche sieht gut bei mir aus, sag doch einfach Bescheid, wann es bei dir am besten passt.

Lieber Gruß
Emma

Betreff: Re: Wie ich mich fühle damit

An: Emma <emma@life-minutes.de>
Von: Jenna <jenna@life-minutes.de>
Datum: 19. November 2012 22:18:23 MESZ

Liebe Emma,

ich freue mich sehr, dass wir uns endlich ausgesprochen haben. Für mich war es eine zu lange Zeit, in der wir nicht miteinander gesprochen haben, ich habe dich vermisst. Auch wenn du mir schon auf den Nerv gegangen bist mit deinem Beleidigtsein. Aber darüber haben wir geredet und dass will ich hier auch gar nicht wiederholen. Manchmal muss es einfach knallen. Wenn man sich hinterher wieder vertragen kann, ist es gut. Schön, dass wir an deinem Geburtstag Versöhnung gefeiert haben.

Es ist schon erstaunlich, wie Liebes- und Beziehungsangelegenheiten sich verkomplizieren, wenn wir erwachsen sind. Als ich ein Mädchen war, erschien mir alles so einfach. Meine erste große Liebe war James Dean. Richtig verknallt war ich in den. Jungs in meinem Alter haben mich damals nicht die Bohne interessiert. Aber Jimmy, der sehr wohl. Ich habe ihn das erste Mal in Rebell Without A Cause gesehen, da muss ich wohl 10 Jahre alt gewesen sein. Und war sofort hin und weg. Ich habe mir vorgestellt, wie es wäre, ihn zu treffen. Das habe ich dann nachgespielt und – in Ermangelung seiner Anwesenheit – den Türrahmen abgeknutscht. Meine erste Zungenkuss-Erfahrung war also eher hölzern.

Nach Jimmy kam Morten Harket. Der hing in allen Varianten als Poster in meinem Zimmer. Zum Küssen habe ich dann Türrahmen gegen Postermund ausgetauscht. War ein wirklich tolles Gefühl damals. Wenn ich heute jung wäre, also wieder ein Mädchen, dann würde ich mich wahrscheinlich in Ezra Miller verlieben.

Manchmal bin ich noch das kleine Mädchen. Mit Patrice fühlt es sich genauso an wie damals – nur dass er beim Küssen nicht nach Holz oder Papier schmeckt, haha. Gerade deshalb ist es mir sehr wichtig, dass ich meine Gefühle für ihn vor dir nicht verstecken muss. Ich weiß, dass ich am Anfang meiner Beziehung zu Patrice genau dass getan habe. Und es tut mir wirklich leid, wenn ich dich verletzt habe. Das wollte ich dir einfach noch mal gesagt haben. Denn Du bist wirklich eine tolle Freundin, die ich nicht vermissen will!

Ich umarme dich!
Deine Jenna

Betreff: Eine Torte für meine geliebte Frau

An: Jenna <jenna@life-minutes.de>
Von: Patrice <patrice@life-minutes.de>
Datum: 15. November 2012 16:36:23 MESZ

Geliebte Frau,

kein Eisnebel auf dieser Welt kann so frostig sein, dass er meine heiße Sehnsucht nach dir abkühlen könnte. Ich muss und will es dir immer wieder sagen: Ich liebe dich. Gerade dann, wenn ich nicht bei dir sein kann, was in dieser Zeit saisonbedingt leider recht oft noch passieren wird, will ich, dass du weißt, dass ich dich in meinem Herzen trage.

Was machst du gerade? Ich stelle mir vor, dass du in eine Decke gehüllt an deinem Schreibtisch sitzt. Das Licht ist wie immer gedimmt, du magst es dunkel und etwas kühler, obwohl du ein Sommerkind bist. Jetzt streichst du eine Strähne, die sich aus deinem Zopf gelöst hat, aus deinem Haar und legst sie gedankenversunken hinter dein zartes Ohr. Ach Jenna, ich sehe dich genau vor mir. Ich mag es so sehr, wenn du voll konzentriert an deiner Arbeit sitzt und immer dann deine Stirn hochziehst, wenn dir eine neue Idee gekommen ist. Ich bewundere ich dich dafür. Ich könnte mich niemals stundenlang durch das Internet wühlen, dabei Gedanken zu Worten werden lassen, dann wieder einen Video-Ausschnitt ansehen und diesen mit klaren, analytischen Sätzen bewerten. Du schmunzelst, wenn ich dir das sage. Dir fällt es leicht zu forschen und den Dingen auf den Grund zu gehen.

Ich bin mehr für das Praktische, muss etwas mit meinen Händen tun. Deshalb habe ich dir noch eine herrlich duftende Tarte Normande gebacken, bevor ich heute zur Arbeit gehe. Du kannst sie dir sehr gerne bei mir abholen, sie steht auf dem Küchentresen bereit zum Verzehr. Wenn du magst, bleibst du bei mir und wärmst das Bett. Ich werde zwar nicht vor 1 Uhr zu Hause sein, aber du machst mich zum glücklichsten Mann auf dieser Erde, wenn ich deinen warmen, weichen Körper heute Nacht neben mir spüren darf.

Geliebte Frau, fühle dich geküsst von mir!
Dein Patrice

Betreff: Familiengeschichten

An: Patrice <patrice@life-minutes.de>
Von: Hans <hans@life-minutes.de>
Datum: 13. November 2012 13:13:23 MESZ

Lieber Patrice,

kannst du deinem alten Vater helfen? Lisa hat mir eine Reihe von Fragen gestellt, von denen ich wußte, dass sie irgendwann einmal ausgesprochen werden. Einen Teil ihrer Fragen kann ich Lisa auch direkt beantworten: d´Diese Fragen beziehen sich nur auf mein junges Leben in Berlin. Aber einige ihrer Fragen gehen viel tiefer. Sie will genau wissen, wie es damals zwischen Elisabeth, Marlene und mir abgelaufen ist. Meine kluge Tochter hat ihre Fragen so formuliert, dass ich gezwungen bin, mich damit auseinander zu setzen: „Wie hast Du zwei Frauen gleichzeitig lieben können ohne ständig einen inneren Konflikt zu spüren?“

Es mag dir jetzt wie ein Blitz aus heiterem Himmel vorkommen, dass ich dich so unvermittelt mit diesem Thema konfrontiere. Ich weiß, ich habe noch nie mit dir, Emma oder Lisa darüber gesprochen, wie es dazu kam und wie die Geschichte sich entwickelt hat. Ich schreibe dir, weil du in meinen Augen den meisten Abstand dazu hast. Das Verhältnis von Lisa zu Elisabeth war ja bis zum Tod von Elisabeth eher unterkühlt. Und Emma hat im Gegensatz zu dir Marlene nie kennenlernen wollen. Es ist in meinem Augen schon erstaunlich, dass Emma und Lisa sich so gut verstehen.

Ich kann Lisa die Antwort auf ihre Frage nicht geben. Noch nicht. Vielleicht hältst du mich jetzt für einen Feigling, und ja, du hast recht damit. Ich habe Angst davor, Lisa zu verletzen. Oder Emma. Oder beide. Sicher – sie sind nicht ihre Mütter. Aber beiden lieben ihre Mütter. Mehr vielleicht, als ich selbst ihre Mütter geliebt habe. Deshalb meine Bitte an dich: Ich möchte Lisa vorschlagen, dass ich dir die Geschichte zuerst erzähle. Ich schreibe sie dir sogar auf. Bevor Lisa und Emma meine Aufzeichnungen lesen, möchte ich gerne, dass wir darüber sprechen. Ich konnte schon immer gut mit dir reden, mein Sohn. Sogar schon als wir dich mit 14 Jahren adoptiert haben und du noch kaum Deutsch und ich nur gebrochen Französisch gesprochen habe. Das ist das Besondere an dir: Du hörst anderen mit dem Herzen zu. Darf ich Lisa das vorschlagen?

Dein ratloser Vater

Betreff: Wie war das eigentlich in Berlin damals?

An: Hans <hans@life-minutes.de>
Von: Lisa <lisa@life-minutes.de>
Datum: 08. November 2012 10:47:23 MESZ

Hallo Papa,

wie war Berlin eigentlich damals, als du hier angekommen bist? Vor 40 Jahren? Ich kann mir natürlich historische Dokumentationen dazu ansehen oder Bücher lesen, aber ich möchte gerne von dir hören, wie es gewesen ist. Wie die Stadt in deinen Augen ausgesehen hat. Wie es sich für dich im Westteil und im Ostteil der Stadt angefühlt hat. Und welche Leute du dies- und jenseits der Mauer getroffen hast und wie diese ihr Leben gemeistert haben.

Du sprichst ja so selten von damals, was ich wirklich schade finde. Und was mich auch ein wenig verwundert. Als Theaterregisseur erzählst du doch sonst immer Geschichten. Aber wenn es um deine eigene geht, bist du ziemlich wortkarg. Dabei möchte ich noch nicht einmal im Detail wissen, wie es damals mit dir und Mama gelaufen ist. Obwohl, eigentlich wüsste ich das schon gerne. Wie war das mit Mama? Wie war es mit Elisabeth? Wie hast du zwei Frauen gleichzeitig lieben können ohne ständig einen inneren Konflikt zu spüren?

Das sind jetzt natürlich noch ganz andere Fragen als die eingangs gestellten. Aber du siehst schon: Ich weiß nicht viel von dir als du jünger gewesen bist. Den Hans heute kenne ich gut und ich finde, dass du ein toller Papa bist. Gerade deswegen möchte ich den jungen Mann kennenlernen, der ein Jahr nach dem Bau der Mauer von Bern nach West-Berlin gegangen ist, um dort Theaterwissenschaften zu studieren. Ich möchte deine Beweggründe verstehen, warum du dann Anfang der 70er Jahre nach Ost-Berlin gegangen bist. Und ich möchte wissen, wie du jahrelang in zwei Familien leben konntest.

Papa, wir werden jetzt wohl kaum über alles auf einmal sprechen können. Aber ich wollte schon mal vorfühlen, ob ich dich ganz offen nach deiner Geschichte fragen darf. Darf ich?

Ich umarme dich!
Deine Tochter

P.S. Ja ja, ich weiß schon, du bezeichnest es lieber als Inszenierungen.
P.S.S. Und ja, Deine Tochter studiert Psychologie, weil sie gerne viele Fragen stellt.

Betreff: Gemeinsam die Geheimnisse der Psychologie lüften

An: Lisa <lisa@life-minutes.de>
Von: Sevtap <sevtap@life-minutes.de>
Datum: 11. November 2012 18:02:23 MESZ

Hallo Lisa,

hör bitte auf, mich verkuppeln zu wollen. Die Nachrichten über Facebook von diesem Typ nerven mich schon genug. Ich bin wirklich gerne die Frau aus der Bar, von der du immer sprichst. Ich meine die, die dein Fabian trifft und die ihm offen ins Gesicht sagt, dass sie sich zu sehr für das männliche Geschlecht interessiert, anstatt sich an DEN EINEN zu binden. Ich finde auch: Jeder kann so leben, wie er oder sie es für richtig empfindet – meinst du nicht?

Themenwechsel. Was ich dir eigentlich schreiben wollte: Ich habe mir in der letzten Zeit ein paar Gedanken zu meiner (vielleicht sogar unserer?) Masterarbeit gemacht und habe jetzt eine Idee gesponnen, die ich gerne mit dir besprechen würde. In der Arbeit will ich mich mit dem Thema Subjektivität und Einfluss auf Kommunikation und Konflikt unter Berücksichtigung von geschlechtlichen und kulturspezifischen Variablen beschäftigen. Klingt erst mal hochtrabend theoretisch, bietet aber viel Raum für praktische und spannende Experimente! Wie gesagt, ich habe mich schon ein bisschen damit auseinandergesetzt und ein paar Untersuchungsansätze ausgearbeitet, die das Thema aus unterschiedlichen Richtungen beleuchten.

Jetzt kommt es natürlich darauf an, was ich damit erreichen will (bzw. kann), sprich: Die Auswahl des geeigneten Experiments wird dem doch recht abstrakten Themenkomplex natürlich eine Richtung geben. Und dafür brauche ich dich: Ich möchte sehr gerne deine fachliche Meinung dazu wissen. Und – nun ja – ich habe natürlich auch schon daran gedacht, ob wir die Arbeit nicht vielleicht gemeinsam angehen wollen? Mein letzter Stand ist, dass du noch kein konkretes Thema vor Augen hast. Es würde sich sogar fast schon anbieten, eine ganze Arbeitsgruppe aufzumachen.

Jetzt muss ich schmunzeln, weil ich gerade an dein Stirnrunzeln denken muss, dass du bestimmt auflegst, während du diese E-Mail liest. Aber genau deswegen brauche ich deinen Rat und würde am Allerliebesten haben, dass du mit einsteigst: Ich habe immer viele Gedanken, die sich zu ausufernden Ideen formen, aber du hast den Kopf, um die Ideen einzugrenzen und zu konkretisieren.

Also, wie sieht es aus? Hast du morgen nach unserem Seminar Zeit für einen Schlachtplan? Alle Einzelheiten gibt es dann inklusive Kaffee und Kuchen.

Gruß + Kuss,
Sevtap

Du hast eine neue Nachricht von Peter*

Sevtap

26.09.2012 09:14

hey sevtap,

wie geht’s? hat mich gefreut, dass du auf meiner party warst. hast die feier echt zum glänzen gebracht. hab nicht gewusst, dass lisa so ne schöne freundin hat ;) also würd mich echt freuen, wenn wir uns bald mal wiedersehen. hab dir auch gerade eine freundschaftsanfrage geschickt – können ja hier mal in kontakt bleiben.

es grüßt dich: der peter

15.10.2012 00:23

hi du,

bist wohl nicht so aktiv hier unterwegs? hab ja leider deine telnummer nicht und lisa wollte mir die nicht geben. musste schon selbst fragen, hat sie gesagt. dann tu ich das mal ganz unbescheiden und hoffe, du liest das bald mal hier. wollte dich nämlich fragen, ob du bock hast, mit mir mal auszugehen? da gibt’s ein paar nette bars bei mir in der ecke – vielleicht mal ein oder zwei getränke oder so? kino wär auch ne idee, anfang november kommt der neue bond raus. auf den steht ihr mädels doch ziemlich ;) also meld dich!

lg, der peter

10.11.2012 17:23

ehrlich gesagt, fände ich es schon cool, mal eine antwort von dir zu bekommen. langsam glaub ich nicht mehr so dran, dass du einfach nur selten hier bist**. oder doch? auf meiner party hatte ich schon das gefühl, dass du mich auch ganz gut findest. sag doch einfach mal bescheid, ob ja oder nein. dann weiß ich wenigstens, ob sich das lohnt, dich weiter anzuschreiben. wenn dir das mit dem kino zu forsch war, können wir ja auch ganz unverbindlich was trinken gehen. hatte ich dir schon angeboten, ist nichts dabei, oder?

ich kann dich leider nicht zu einem konzert von uns einladen, weil wir noch gar nicht wissen, wann wir auftreten, haha. würd auch ungern so lange warten, dich wiederzusehen, bis es mal soweit ist. also trau dich ruhig. ich beiße bestimmt auch nicht ohne aufforderung ;).

der peter

* 2012 wurde Instant-Nachrichten von den U30 über den Instant-Messenger von Facebook geschickt – und zwar über die Website.

** Ghosting gab es auch damals schon, wurde nur nicht so genannt.

Betreff: Bin noch in Frankreich

An: Peter <peter@life-minutes.de>
Von: Vincent <vincent@life-minutes.de>
Datum: 08. November 2012 10:47:23 MESZ

Hallo Peter,

es tut mir leid, aber mit Proben wird es dieses Wochenende nichts. Ich bin noch in Frankreich, aber meinem Vater geht wieder besser. Es hatte zum Glück keinen Herzinfarkt, allerdings können die Ärzte noch nicht genau sagen, was mit ihm los ist.

Es ist komisch, meinen Vater so bleich und kraftlos in einem Krankenhausbett zu sehen. Ich erkenne ihn so fast gar nicht wieder. Als ob dort ein anderer Mensch liegen würde. Vielleicht können wir darüber mal einen Song machen? Ich meine jetzt nicht über den Tod, sondern darüber, was passiert, wenn Menschen krank werden. Ist es nur das Bild, das wir von anderen Personen haben und das dann nicht mehr passt, weshalb sich der Mensch in unseren Augen verändert hat? Oder verändern wir uns selbst, wenn wir geschwächt sind? Nicht nur äußerlich, weil wir bleich oder eingefallen oder müde aussehen. Sondern auch innerlich.

Niemand möchte krank sein. Kranksein bedeutet Schwäche zu zeigen. Verändern wir uns deshalb, wenn wir krank sind, weil wir Angst haben vor den mitleidigen Blicken der Gesunden? Wir ziehen uns zurück, wir verstecken uns, wir werden wortkarg und reden am liebsten mit uns selbst.

Nun ja, du merkst, das Thema beschäftigt mich. Deshalb die Idee für einen Song. Text und Sound müssen ja gar nicht depressiv klingen. Le rire est le meilleur des remèdes. Sagt man im Deutschen glaube ich auch so. Na ja, können wir ja noch drüber reden, wenn ich wieder in Berlin bin. Ich komme übrigens am Dienstag nachmittags an. Wir könnten uns dann Mittwoch oder Donnerstag treffen, passt für dich und die Jungs?

Umarme meine liebste Lisa ganz fest, wenn du sie siehst. Gros bisous, vieux sac !

Vince