En frehlicher Grischtdaag

Das hat mein Onkel früher immer zu uns gesagt, wenn er an Weihnachten zu Besuch gekommen ist. Er hat sich gerne einen Spaß daraus gemacht, mit uns in Pennsylvania Dutch* zu sprechen. Jenna und ich haben gelacht, weil wir nichts verstanden haben und es für uns so komisch geklungen hat. Mein Onkel war früher ein Amischer** und hat uns viel aus dieser Zeit erzählt. Er hatte sich dafür entschieden, die Gemeinschaft nach dem Rumspringa*** zu verlassen. Manchmal war er ziemlich traurig, weil er gar keinen Kontakt zu seiner leiblichen Familie mehr hatte.

Dann hat er immer meine Tante geschnappt, umarmt und gesagt, wie froh er doch ist, dass er diesen Engel getroffen hat. Die Schwester meiner Mum ist in solchen Momenten immer ganz verlegen geworden – Jenna und ich fanden das immer sehr romantisch. Wenn ich daran denke, dann vermisse ich das Weihnachten meiner Kindheit. Ich war schon mehrere Jahre nicht mehr in Albany, um dort Weihnachten zu feiern. Meine Mum weint immer, wenn wir über Skype sprechen, so sehr fehlen Jenna und ich ihr. Vielleicht sollte ich an Weihnachten wieder einmal nach Hause fliegen. Ich frage Jenna mal, was sie davon hält.

Für den Winter in den Catskill Mountains braucht man auf jeden Fall Strickmützen

* { Pennsylvania Dutch } auch Pennsylvania German, Pennsylvaniadeutsch, Pensilfaanisch, Pennsilfaanisch Deitsch, Pennsilfaani oder Pennsilveni-Deitsch. Deutscher Sprachstamm, der in Nordamerika gesprochen wird und hauptsächlich auf pfälzischen Dialekten basiert.
** { Amische } sind eine protestantische Glaubensgemeinschaft, die in Nordamerika leben und bestimmten Grundsätzen folgen.
*** { Rumspringa } leitet sich aus dem deutschen Rumspringen ab und leitet die Periode der Adoloszenz bei den Amischen ein. Jugedliche dürfen in dieser Zeit arg über die Stränge schlagen, Alkohol trinken und Sex haben, bevor sie sich dafür entscheiden, endgültig das fromme Leben der Amischen zu leben.

Warum machst du eine Reportage über Grenzgänger, Emma?

Das hat mich Laurenz gestern gefragt. Ich sei doch deutsch, meinte er, und wäre zwar im Osten geboren worden (dabei hat er Osten so ausgesprochen, als müsste man sich zwangsläufig zwischen den Stühlen fühlen, wenn man in der DDR aufgewachsen ist), aber ich wüsste doch eigentlich gar nicht, wie das ist, seine Identität zu verlieren oder zwischen zwei Kulturen zu stehen. Ich habe ihm kurz und knapp geantwortet, dass das Thema Grenzgänger nicht so einfach zu umreißen ist und dass wir alle irgendwann einmal an unserer Grenze stehen. Dann stellt sich plötzlich die Frage: Soll ich rüber gehen oder nicht? Kann ich meine Grenze überhaupt passieren, schaffe ich das?

Was mich aber wirklich ärgert, ist, dass Laurenz nichts verstanden hat. Dabei habe ich ihm damals Idee und Konzept zu der Reportage in allen Einzelheiten dargestellt. Aber er steckt Ideen und Konzepte in Schubladen und drückt diese fest zu. Er hinterfragt nicht, er fixiert nur. Und beharrt dann auf der Richtigkeit seiner Sichtweisen. Ich habe von einem Menschen, der sich selbst als engagierter Journalist bezeichnet, mehr Reflexionsvermögen erwartet.

Ich bin auch eine Grenzgängerin, habe meine eigenen Grenzen mehr als einmal durchbrechen müssen, um die Emma zu sein, die ich heute bin. Und zwar nicht, weil ich im Osten aufgewachsen bin. Das Thema ist in mir verwurzelt, seitdem ich 5 Jahre alt bin. Er hat nur wenige Minuten gebraucht, um meine Grenzen gewaltsam niederzureißen. An diesem Tag im Sommer habe ich meine Identität verloren und war seitdem grenzenlos unterwegs. Bis ich meinen Bruder getroffen habe, der mir mit seiner Geschichte näher gewesen ist, als je ein anderer Mensch.

Für die Reportage will meine eigene Biographie jedoch lieber aussparen. Es ist nicht gut, wenn sich die Dinge vermischen, ich verliere womöglich den Blick für das Wesentliche und verstricke mich in unglückliche Emotionen. Allerdings sollte ich vielleicht noch einen Interviewpartner finden, bei dem die Identitätssuche nicht unbedingt mit Kultur, Nationalität oder realer Flucht zu tun hat. Dann wird vielleicht deutlicher, wie tief dieses Thema geht – und damit auch klarer wird, dass wir mehr gesellschaftliche Projekte brauchen, bei denen der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht die Organisation, die sich um die Grenzgänger kümmert.

… und dann sind Sie nach Berlin zurückgekehrt?

Also. { räuspert sich }. Ich habe Deutschland und vor allem Berlin ja mit 21 Jahren im wahrsten Sinne des Wortes verlassen. Das war damals allerdings keine Entscheidung, die ich einfach aus dem Bauch heraus getroffen habe, ich war noch nie ein Mensch, der überstürzt gehandelt hat. Ich musste einfach ganz und gar gehen, um mich zu finden. { blickt nachdenklich aus dem Fenster }. Meine Vergangenheit lag und liegt in Israel, meine Zukunft war und ist Amerika. Aber meine Gegenwart war und ist immer in Berlin gewesen. Es war für mich also nur eine logische Konsequenz in meine Gegenwart zurückzukehren, nachdem ich meine Vergangenheit erkundet hatte und in meine Zukunft gereist bin.

Warum steht die Gegenwart am Ende Ihrer Reise? Wäre eine Leben in der Zukunft nicht erstrebenswerter?

Man stirbt immer im hier und jetzt. Ich bin natürlich mit 52 Jahren nicht wieder zurückgekommen, um gleich zu sterben. { lacht }. Allerdings ist es schon eine schmerzliche Wahrheit, dass meine Gegenwart, also Berlin und Deutschland tatsächlich sehr viel mit dem Thema Tod zu tun haben. Meine Eltern und ein Großteil meiner leiblichen Verwandten sind in Konzentrationslagern umgebracht worden, meine jüngere Adoptivschwester ist bei einem Autounfall gestorben, da war sie noch nicht einmal 20 Jahre alt, und meinen Adoptivvater habe ich das letzte Mal gesehen, bevor ich nach Israel gegangen bin.

Aber wie verkraftet man es, an einen Ort zurückzukehren, der so stark mit dem Tod in Verbindung steht?

Nun ja, ein Grund, das ich damit zurechtgekommen bin – zurechtkommen wollte – ist sicherlich, dass bin hier geboren und aufgewachsen bin. Das verbindet mich mit diesem Ort, auch wenn der Tod von Beginn meines Lebens an hier stets präsent gewesen ist. Aber ich habe auch viele gute und schöne Erinnerungen an meine Kindheit und Jugend hier, hatte ich doch das große Glück, von einer ganz wunderbaren Zweitfamilie aufgenommen worden zu sein. An meine leiblichen Eltern kann ich mich kaum erinnern. { hält kurz inne, überlegt }. Ehrlich gesagt, vielleicht kann ich mich auch gar nicht an sie erinnern und bilde es mir ein, vermische die beiden Fotos, die noch habe, mit meinen Erinnerungen. Ich war ja so klein.

Ich habe mich viel mit dem Tod, aber auch mit dem Leben auseinandergesetzt. Und bin über die Jahre zu dem Schluss gekommen, dass man nicht den Fehler machen darf, dem Tod die Schuld an all dem Schrecklichen, dass die Menschen im Leben von anderen Menschen anrichten, zu geben. Ja, es schmerzt sehr, wenn wir einen geliebten Menschen verlieren, vor allem wenn es plötzlich oder durch die Einwirkung von Gewalt geschieht und wir haben Angst vor dem … { stockt kurz } vor dem Sterben. Denn der Tod an sich ist – so banal es klingt – Teil unseres Lebens. Es ist ja keine Neuigkeit, wenn ich sage, dass ohne Tod kein Leben möglich ist.

Merry Christmas

Im Vergleich zu meiner Heimat herrscht hier im Winter ein echter Mangel an Puderzuckerschnee (I really love this expression ;). Deswegen habe ich mich auch unglaublich gefreut, als Emma mir eine Packung Magic Snow Powder zum ersten Advent geschenkt hat. Schnee, Snow, Neige – alles dasselbe?
Ein verbreiteter Irrtum ist, dass die Inuit unglaublich viele Wörter für Schnee haben, denn es sind die zusammengesetzten Wörter für Schnee, die die Variation in der Sprache der Eskimos ausmachen. Was mich nicht davon abhält, hier meine Sammlung der Lieblingsworte für die weißen Flocken zu eröffnen. Das erste Wort ist bereits gesetzt: Schneeflocke.

Wer weiß weitere weiße Wörter?

I’m dreaming of a White Christmas

Jabbama be salla Kirismati

Nicht essbar, aber schön anzusehen: Weihnachtskrimskrams aus Stroh

Als Emma mich gefragt hat, was das ist, dachte ich sofort an Spaghetti. Tatsächlich ist das ein Engel mit einem Rentier. Ich muss wohl sehr hungrig gewesen sein, um an Pasta zu denken – ist ja ein vorweihnachtliches Rätsel, das hat wohl wenig mit Nudeln zu tun. Obwohl, eigentlich ist das gar keine so schlechte Idee. Ich wollte in diesem Jahr ein thematisches Weihnachtsmenü machen: vom Amuse Bouche bis zum Dessert alles Ente. Da würden Capellini mit Entenbrust sehr gut passen.

Capellini mit Orangen-Pflaumen-Sauce und Entenbrust

____Für 6 Portionen

Salz, Pfeffer
2 Orangen
5 getrocknete Pflaumen
40 g Schalotten
1 kleine rote Chilischote
1-2 El Fenchelsaat
3-4 Stiele Estragon
150 g Crème Fraiche
300 g Kirschtomaten
6 El Olivenöl
2 El Honig
2 Entenbrustfilets (à ca. 200 g)
300 g Capellini (sehr feine Spaghetti)

____Zubereitung

Von einer Orange (unbehandelt) etwa 1/3 der Schale mit einem Zestenreißer in dünnen Streifen abziehen. Die Orangen aufschneiden und filetieren. Die Pflaumen in feine Streifen schneiden. Schalotten fein würfeln. Chili putzen und fein schneiden. Fenchelsaat in einem Mörser mittelgrob zerstoßen. Estragonblätter abzupfen und fein schneiden. Orangenzesten in kochendem Wasser 10 Sekunden blanchieren, abgießen und abtropfen lassen. Creme Fraiche mit Estragon und Orangenzesten verrühren, mit Salz und Pfeffer würzen und zur Seite stellen. Kirschtomaten waschen, mit 2 El Öl, Salz und Honig mischen.

Die Hautseite der Entenbrüste kreuzweise leicht einschneiden. Entenbrüste mit der Hautseite nach unten in eine beschichtete Pfanne legen und bei starker Hitze 2-3 Minuten goldbraun braten. Dann auf ein mit Alufolie belegtes Backblech legen und im vorgeheizten Backofen auf der 2. Schiene von unten bei 180 Grad weitere 8-10 Minuten garen (Gas Stufe 2-3). Entenbrüste herausnehmen und in einer mit einem Teller abgedeckten Schüssel warm halten. Tomaten auf das Backblech legen und im Ofen bei gleicher Temperatur 10 Minuten garen, bis sie leicht aufplatzen.

Nudeln nach Packungsanweisung in kochendem Salzwasser bissfest kochen, in einem Sieb abtropfen lassen. Öl in einer Pfanne erhitzen, Schalotten, Chili und Fenchelsaat scharf anbraten. Dann Pflaumen und Orangenfilets dazugeben. Mit der vorbereiteten Cröme Fraiche vermengen und leicht köcheln lassen.

Entenbrust aus der Schüssel nehmen und in Scheiben schneiden. Bratsaft in der Schüssel zu der Sauce geben und vermengen. Nudeln in Nestern auf die Teller geben, mit der Orangen-Pflaumen-Sauce übergießen, Entenbrust und Kirschtomaten darauf verteilen und servieren.

Frohe Weihnachten

Ich mag Weihnachten. Sehr sogar. Ich glaube, das liegt an den ganzen Lichtern, die die Stadt im Dezember erstrahlen lassen. Das macht die dunklen, eisigen Winterabende freundlicher. Natürlich ist es auch kitschig, aber irgendwie hat es etwas Anrührendes, wenn die Menschen ihre Fenster mit blinkenden, bunten Lichtern in Form von Schneeflocken oder Sternen schmücken oder gar einen beleuchtenden Weihnachtsmann einen Vorhang hochklettern lassen.

{ Tür #1 } Bildausschnitte: Was ist das? *

* Französisch: Vasistas. Bezeichnung für sog. Kämpferfenster oder Oberlichte, die sich über einer Türoder einem Fenster befinden. Etymologie: Ende des 18. Jahrhunderts sahen deutsche Besucher in Frankreich das erste Mal diese Oberlichter und fragten den Hausherrn „Was ist das?“ 1798 erscheint das Wort schließlich das erste Mal in einem französischen Wörterbuch.

Betreff: Re: Ihre Annonce Chiffre #10062011

An: Hans <hans@life-minutes.de>
Von: Gertrude <gertrude@life-minutes.de>
Datum: 30. November 2012 07:03:23 MESZ

Verehrter Herr,

ich habe mich über Ihren Mut, mir zu schreiben, gefreut und trete gerne in Korrespondenz mit Ihnen. Ihre Offenheit hat mich positiv überrascht, war ich selbst doch recht zögerlich, was ich in der Annonce über mich schreiben sollte. Wie Sie selbst gelesen haben, war meine Selbstbeschreibung auf das Wesentliche reduziert, so dass ich Ihnen ergänzend hierzu noch ein paar Zeilen über mich heute schreiben will, die weit weniger faktisch daher kommen sollen.

Wie Sie bereits wissen, bin ich 71 Jahre alt und habe als Journalistin gearbeitet. Meine Liebe zu Sprache, meine Leidenschaft für das Schreiben und meine Neugier bringen es mit sich, dass auch ich sehr gerne lese. Dass Sie just in diesen Tagen den Büchern von Stasiuk den Vorzug geben, hat mich freudig überrascht – ich habe den Autor vor etwa vier Jahren für mich entdeckt und kann ihn mir seitdem nicht mehr aus meiner Bibliothek wegdenken. Auch bin ich bin eine große Freundin des Theaters und mag besonders die Inszenierungen von George Tabori, den Sie vielleicht sogar persönlich kennen. Allerdings will ich an dieser Stelle nicht verschweigen, dass es mir mit dem Theater wie Ihnen mit dem Besuch von klassischen Konzerten geht: Ich komme viel zu selten dazu.

Dass ich die Philharmonie häufiger mit einem Besuch beehre, liegt an einer musikliebenden Freundin von mir, die es sich nicht nehmen ließ, mir ein Abonnement zu schenken. Da fühlt man sich schon verpflichtet. Nun, sollte sich unsere Korrespondenz in gleichem Maße weiterentwickeln, wie sie begonnen hat, dann bin ich zuversichtlich, dass wir einmal das Vergnügen haben werden, das Theater oder die Musik gemeinsam zu genießen.

Ich werde übrigens Ende Dezember für einige Zeit verreist sein. Um genau zu sein, ich werde für etwa sechs Wochen in Tel Aviv und Haifa sein. Jetzt werden Sie vielleicht denken: Israel! In diesen Tagen!* Und ich stimme Ihnen zu: Die Zeiten sind unsicher und ich bin nicht ganz ohne Angst dorthin zu fahren. Aber Israel ist für mich genauso Heimat wie es Berlin seit 20 Jahren wieder für mich ist. Ich kann meine Freunde und Verwandten dort nicht einfach alleine lassen. So würde es sich für mich zumindest anfühlen, wenn ich nicht fahren würde. Können Sie mich verstehen?

Ich freue mich auf Ihren nächsten elektronischen Brief und wünsche Ihnen ein herrliches Wochenende,
herzlichst,
Ihre Gertrude

* Die Situation im nahen Osten war auch schon 2012 sehr angespannt. 12 Jahre später sind wir an einem Punkt angelangt, an dem sich die Frage, ob es einen Krieg geben wird, nicht mehr stellt, sondern die Fragen, wie schlimm dieser Krieg sein und wie viele Verlierer dieser Krieg haben wird.

Betreff: Ihre Annonce Chiffre #10062011

An: Gertrude <gertrude@life-minutes.de>
Von: Hans <hans@life-minutes.de>
Datum: 29. November 2012 09:16:23 MESZ

Verehrte Dame,

mit großem Interesse habe ich Ihre Annonce in der Zeitung* gelesen. Ebenso wie Sie bin ich kulturellen Dingen sehr zugetan und möchte mich gerne kurz vorstellen: Ich heiße Hans und würde ich mich dem durchschnittlichen Rentenalter beugen, wäre ich ein anderer. Ich kann mit meinem 68 Jahren aber nicht davon lassen, meinen Beruf, den ich sehr liebe, auszuüben. So schreibe und inszeniere ich weiterhin Theaterstücke – für die großen, aber gerne auch die kleineren Bühnen in dieser und in anderen Städten.

Als Intendant reise ich oft umher. Glücklicherweise nehme ich meistens die Bahn und so bleibt mir auf den Reisen genug Zeit, um zum Buch zu greifen. Lesen gibt mir Kraft und Inspiration, es lenkt mich ab und begleitet gleichzeitig meine Arbeit. Meine literarischen Vorlieben haben sich immer wieder verändert. Ja, ich könnte fast sagen, dass jede Phase meines Lebens einer bestimmten Literatur entsprochen hat. Nun, ich denke, dass dieses durchaus nicht ungewöhnlich ist. Im Moment haben es mir besonders die Bücher von Andrezj Stasiuk angetan. Und ich habe erneut den Ilias zur Hand genommen. Homer kann ich immer wieder lesen. Die griechische Mythologie ist gewissermaßen phasenfrei und beschreibt die Konstante in meinem Leben.

Wenn ich mal nicht unterwegs bin, freue ich mich sehr, in Berlin zu sein. Früher hatte ich in mehr in Berlin zu tun, heute bin ich viel in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs. Eigentlich bin ich Schweizer, in Bern geboren und aufgewachsen. Dennoch ist Berlin in meinem Herzen als Heimat verankert. Ich geniesse das vielfältige, kulturelle Angebot hier, und ich möchte es wirklich nicht missen, auch wenn ich viel seltener die Philharmonie besuche, als ich es mir wünsche.

Mich selbst beschäftigt gerade eine Geschichte aus meiner Vergangenheit, die viel Persönliches in sich trägt. Ich habe noch keine konkrete Vorstellung, in welcher Form ich diese Geschichte erzählen oder auf die Bühne bringen kann. Es ist eine Familiengeschichte, meine jüngste Tochter hat den Stein ins Rollen gebracht. Nun, Sie sehen, es fällt mir schwer, hier konkreter zu werden. Vielleicht ergibt sich aber über eine regelmäßige Korrespondenz mit Ihnen die Gelegenheit, Ihnen mehr dazu zu schreiben.

Ich hoffe auf eine Antwort von Ihnen und schreibe Ihnen jederzeit gerne wieder und mehr über mich, auch wenn ich unterwegs sein sollte – die moderne Technik macht den Briefwechsel um einiges einfacher.

Herzliche Grüße
Ihr Hans

* 2012 gab es zwar schon Online-Anbahnungsplattformen wie Parship, die aber wurden von der älteren Generation als unseriös empfunden. Tinder oder Bumble gab es noch gar nicht, die jungen Leute haben sich noch überwiegend live und in Echtzeit kennengelernt.

Betreff: Die Platten sind super!

An: Hans <hans@life-minutes.de>
Von: Josh <josh@life-minutes.de>
Datum: 27. November 2012 20:02:23 MESZ

Hans,

Thank you so much for the albums. Ich habe es zwischen Tür und Angel (I really like this German expression) tatsächlich geschafft, in alle drei Platten reinzuhören. Ich wusste gar nicht, dass du solche Pop-Perlen in deiner Sammlung hast – du hörst ja sonst sehr viel klassische Musik. Jedenfalls ist mir beim Hören wieder aufgefallen, wie schön es ist, Musik von einer Platte zu hören. Das klingt irgendwie roher, nicht so überproduziert wie der ganze digitale Kram.

Wenn es ok für dich ist, komme ich die Tage vorbei und bringe die Platten zurück. Wäre super, wenn ich noch mal einen Blick auf deine Musiksammlung werfen dürfte, da sind bestimmt noch andere Schmuckstücke dabei. Ich weiß leider noch nicht, wann ich es schaffen werde, ich hoffe aber spätestens zu Lisas Geburtstagsessen. Da bin ich auf jeden Fall in Berlin und du weißt ja, dass ich auf gar keinen Fall auf die Tartes von Patrice verzichten kann … By the way, hast du einen Tipp, was ich Lisa schenken kann? Emma hat schon ein Geschenk und sie meinte Fachbücher für Lisas Studium wären gut. Ich würde ihr aber lieber etwas weniger Vernünftiges schenken – you know what I mean, do you?

Ich fliege morgen ziemlich früh nach Brüssel, du kannst mir aber jederzeit eine E-Mail schicken. The web is everywhere!

All the best,
Josh

Betreff: kontakt aufnehmen

An: Josh <josh@life-minutes.de>
Von: Peter <peter@life-minutes.de>
Datum: 26. November 2012 17:15:23 MESZ

hi josh,

how r u? du erinnerst dich an mich? ich bin mit lisa und vince befreundet. emma hat mir deine e-mail gegeben, ich soll mich direkt an dich wenden. sie hat mir erzählt, dass du hast einen freund hast, der produzent bei einem major ist und vielleicht was für uns tun kann.

uns das sind wir: eine berliner band mit 6 leuten, die deutsch-englisch-französischen pop mit soul und hip hop elementen spielen. einen namen haben wir noch nicht und wir befinden uns gerade noch in der findungsphase. aber wir sind auf einem guten weg. also wir haben schon ein paar songs, für ein album reicht es noch nicht ganz, aber ein kleines konzert könnten wir schon spielen. demo wollen wir demnächst aufnehmen, könnte ich dir also auch bald zuspielen. wir machen auch gerne einen tag der offenen proben, wenn es gewünscht ist ;)

ich bin am samstag bei sebastian block & band und tonbandgerät im comet, wenn du zeit und lust hast, könnten wir uns da treffen und mal drüber reden. wäre auf jeden fall super, wenn du dich bei mir meldest und den kontakt herstellen kannst.

See u around,
peter