메리 크리스마스!

Alle Jahre wieder: Sobald die Weihnachtssaison offiziell eröffnet ist, wird Last Christmas von Wham! aus dem Plattenregal der Radiostationen geholt und hoch und runter gespielt – bis zum allgemeinen Überhörsturz.

Zum Glück gibt es von diesem Song eine ganze Reihe an kreativen, lustigen oder trashigen Cover-Versionen. Und so habe ich über die Jahre meine persönlichen Top 10* zusammengestellt.

10

Punkrock-Version aus Japan (leider nicht in Japanisch): Nicotine – Last Christmas

09

Unglaublich trashige Schlagervariante in Deutsch: Matthias Reim – Letzte Weihnachten

08

Gibt’s auch in Französisch von Göttin Dalida — Reviens-moi

07

Metal meets Wham! UMC – Last Christmas

06

Indie-Pop mit Tiefgang und in deutsch: Wolke – Last Christmas

05

Gothic aus dem Weihnachtsland: StereoType O Negative – Last Christmas

04

Macht auch vor Hipster**-Pop-Bands nicht halt: Florence & The Machine – Last Christmas

03

Auch R&B ist Fan von Wham! ASTN – Last Christmas

02

Das Selbst-Cover in Live-Form: George Michael – Last Christmas

01

Und weil 2025 ist, darf die K-Pop-Version nicht fehlen: 헨리 HENRY LAU – Last Christmas

Kitsch as Kitsch can: mit Last Christmas von Wham!

* Die Top-10 wurden 13 Jahre später im Dezember 2015 auf den neusten Stand gebracht, heißt: einige Songs sind ganz neu in der Playlist :)

** Hipster waren in den 10-Jahren diese lustige Gruppe von Metropolen-Menschen, die mit gepflegten Bärten (männlich) oder VoKuHiLa (weiblich) ein besonders cooles Leben – eben hipp – zu führen glaubten.

E guëti Wiënachtä

Es ist ein echter Ohrwurm, dieses Lied. Hier wird der innige Wunsch nach Leise Rieselt Der Schnee besungen. In den Zeilen Heute Kommt Der Weihnachtsmann zwar nicht vor, dafür aber wird der reich geschmückte Oh Tannenbaum gelobt und den Kling Glöckchen, Klingelingeling gelauscht, die an den Schlitten gebunden sind.

Ich träume von weißen Weihnachten,
die so sind wie diejenigen, die ich kannte.
Wo die Baumspitzen funkeln und die Kinder lauschen,
um die Schlittenglöckchen im Schnee zu hören.

Ich träume von weißen Weihnachten
mit jeder Karte, die ich schreibe.
Deine Tage seien vergnügt und heiter,
und deine Weihnachten sollen immer weiß sein.

Na klingelt es? Um welches bekannte Weihnachtslied handelt es sich und wer hat es gesungen?

Ob diese Kapelle wohl weiß, um welches bekannte Weihnachtslied es sich handelt?

Warum nur ist da diese Anziehungskraft?

Es war keine gute Idee von mir, mich heute mit Josh auf dem Weihnachtsmarkt zu treffen. Die Flirterei an Lisas Geburtstagsessen war schon schlimm genug. Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist. Er ist attraktiv, klar, und ich finde ihn leider echt sexy, auch wenn er 13 Jahre älter ist als ich. Aber er ist mit Emma zusammen. Verdammt. Ich hoffe so sehr, dass sie nichts gemerkt hat an diesem Abend.

Josh ist schon echt dreist. Er hat gleich zu Beginn des Abends mit seinen Augen ausgezogen, sich dann zum Essen neben mich gesetzt und mich in eine Diskussion über meine Masterabeit verstrickt. Warum muss der aber auch so unglaublich smart sein. Ich konnte einfach nicht widerstehen als er mich in das Zimmer von Lisas Vater gezogen hat unter dem Vorwand, dort könnten wir das Thema in Ruhe weiter diskutieren. Es ist ja nichts passiert auf der Couch, er hat mir nur ganz ernsthaft zugehört, und mich darin bekräftigt, meine Idee zur Masterarbeit zu machen. Trotzdem war da dieses Flirren in der Luft, die ganze Zeit.

Warum versuchen alle eigentlich ständig sich einzureden, dass der Mensch ein monogames Wesen sei? Zeitweise mag das ja stimmen – aber ein Leben lang? Wenn es so wäre, dass die menschliche Natur das Bedürfnis hätte, mit nur einem anderen Menschen sexuell aktiv zu sein und das ein ganzes erwachsenes Leben lang – warum ist es dann so, dass die meisten Menschen mehrere Partner haben und oder so oft fremd gehen, obwohl sie eigentlich in festen Händen sind? Sowieso ist der Begriff fremd gehen mehr als seltsam. Als würde man in die Ferne reisen. So ein Quatsch. Oder kein Quatsch? Guter Sex ist ja tatsächlich wie eine aufregende Reise in unbekanntes Terrain. Reisen bedeutet auch, verschiedene Orte entdecken zu können. Und beurteilen zu können, ob es woanders schöner ist oder eben nicht.

Ach, ich will es mir selbst nur schönreden. Auch wenn ich diese Sichtweise tatsächlich vertrete, so heißt das nicht, dass Emma genauso denkt. Hoffentlich hat Peter nichts gesagt. Dass ausgerechnet dieser dämliche Typ ins Zimmer kommen musste, das hat mir noch gefehlt. Trotzdem habe ich mich mit Josh getroffen. Wir haben nur eine Runde gedreht auf dem Weihnachtsmarkt, einen Glühwein getrunken. Es ist ja nichts weiter passiert, wir haben nur geredet. Aber dann er hat gesagt, dass er mich wiedersehen möchte. Ich muss die Finger davon lassen. Unbedingt.

חג מולד שמח

15 Jahre lang habe ich Weihnachten nicht gefeiert. Das war die Zeit, in der ich in Israel gelebt habe. Auf Christstollen musste ich in dieser Zeit glücklicherweise nicht verzichten, da meine Berliner Familie mir jedes Jahr ein Päckchen mit diesem leckeren Gebäck geschickt hat. Jetzt bin ich diejenige, die Stollenpakete nach Israel schickt. Einige meiner Freunde und Verwandten in Tel Aviv und Haifa sind ganz verrückt nach diesem schweren, süßen Gebäck – wer kann es ihnen verdenken, auch wenn Christstollen, wie der Name schon sagt, ein ursprünglich christliches Fastenbrot gewesen ist und nicht koscher zubereitet wird.

Honig- oder Lebkuchen hingegen sind auch in der jüdischen Küche sehr bekannt. Zum jüdischen Neujahrestag Roch Hachana ראש השנה, der immer im September oder Oktober liegt, wird Honek-Lejkech, Honigkuchen mit Weintrauben, süßem Wein und in Honig getauchte Apfelschnitzern gereicht, um der Hoffnung auf ein gutes, süßes Jahr Ausdruck zu verleihen.

Der Stollen: Rosinen, Mandeln, Zucker und viel Butter

Rõomsaid Jõulupühi

Wie sieht eigentlich ein Engel aus? Hochgewachsen, wie ein Krieger mit flammendem Schwert in der Hand? Oder wie die barocken Putten, die an ein zu dickes, blondgelocktes Kind mit Miniflügeln erinnern? Und warum sind Engel besonders in der Weihnachtszeit so beliebt? Sie hängen als Christbaumschmuck in Tannenzweigen oder halten mit aufgeblähten Backen rote oder weiße Kerzen in den Händen.

Dabei begleiten Engel uns das ganze Jahr über:

Wenn uns bei einem Unfall nichts passiert ist, war unser Schutzengel zur Stelle.

Die Band Real Life hat sich in den 80er Jahren mit Send Me An Angel einen Himmelsboten herbei gesungen.

Wenn wir mit Engelszungen auf jemanden einreden, dann wollen wir denjenigen von etwas überzeugen.

Manchmal fallen Engelstränen vom Himmel, wenn es in Strömen regnet.

Los Angeles ist die Stadt der Engel.

Wenn eine Frau ihre Ehre verliert, dann wird sie als gefallener Engel bezeichnet. Marlene Dietrich spielte die Hauptrolle in dem Film Der blaue Engel, in dem ein älterer Lehrer an seiner Liebe zu einer Varieté-Tänzerin zu Grunde geht. Die Romanvorlage von Heinrich Mann hatte einen deutlich weniger schönen, wenn auch vielleicht passenderen Titel zum Thema: Professor Unrat.

Apropos Film: In Der Himmel über Berlin lässt Wim Wenders Bruno Ganz als Engel Damiel auf der Schulter der Goldlese Platz nehmen. Im neuen Ken Loach Film geht es um Angel’s Share – dem Schluck der Engel, was eine liebevolle Bezeichnung für besonders guten Whisky ist.

Engelmacher hingegen ist ein zynischer Begriff für Ärzte, die Abtreibungen vornehmen.

Nicht zuletzt sind die Engel mitten unter uns: Die Anges in Frankreich, die Angels in Spanien, die Angelos in Italien und alle Angelas und Angelikas in Deutschland.

Es braucht also nicht Weihnachten oder Barock, um die Engel Engel sein zu lassen.

Habt ihr schon ein Demo, dass ich weitergeben kann?

Hey, war das mal ein cooler Konzertabend. Bin ja mehr schlecht als recht gelaunt im Antje Öklesund angekommen und hab mir nicht mehr viel vom Abend versprochen. Aber The Grand Coulee, Der Elegante Rest und Peer haben meinen Ärger echt weg gerockt. Dabei hat der Abend erst ganz gut angefangen. Lisa hat zu ihren Geburtstagsessen eingeladen und ich hatte richtig Lust auf so einen gediegenen Einstieg in den Abend.

Als ich angekommen bin, war da allerdings schon diese Freundin von Lisa da. Ich weiß echt nicht mehr, was ich gut an der gefunden habe. Eigentlich steh ich ja nicht auf dunkelhaarig, groß und dünn. Aber gut, war wahrscheinlich so ein hormonbedingter Ausfall meinerseits. Naja, außer „Hallo“ haben wir nix geredet, hab dann zum Glück bei Vince und Patrice gesessen. Später allerdings hab ich die mit Josh gesehen.

Ich bin auf den Balkon um eine zu rauchen, war ein schön kalter Abend da draußen. Als ich zurück bin, wollt ich noch auf Toilette, hab aber die Tür verwechselt und stand dann im Arbeitszimmer von Lisas Vater. Und da war nicht nur ich. Sevtap und Josh haben da auf dieser echt großen Ledercouch ziemlich nah beieinander gesessen. Ob die Händchen gehalten haben, konnte ich nicht sehen, aber dass die da ziemlich flirty unterwegs gewesen sind, hätte ich sogar bemerkt, wenn es stockdunkel gewesen wäre. Na, die haben sich wohl erschrocken als ich da in der Tür stand, Sevtap ist dann sofort aufgestanden und war ganz rot im Gesicht. Sie hat sich wortlos an mir vorbeigedrückt und ist zurück in den Salon.

Josh kam dann später noch kurz zu mir und hat sich entschuldigt, dass er auf meine E-Mail noch nicht geantwortet hat. Er meinte, dass er seinen Kumpel auf jeden Fall fragen will und ob er vielleicht ein Demo haben könnte. Dann hat er mich noch darum gebeten, Emma und Lisa nichts zu sagen, wäre ja nichts gewesen, aber man sollte hier keine unnötigen Szenen provozieren und so weiter. Wenn ich ihn und die blöde Kuh nicht zufällig in dem Zimmer erwischt hätte, hätte der mir niemals eine Antwort auf meine E-Mail gegeben. Was für ein arroganter Schnösel, der Typ. Ich versteh echt nicht, wie eine so liebe Frau wie die Emma mit dem zusammen sein kann. Naja, muss sie selbst wissen. Hauptsache es kommt jetzt was in Bewegung mit dem Produzenten.

Warum kommt deine Mutter nicht zum Geburtstagsessen?

Es sind noch drei Minuten bis Mitternacht, die Gäste haben sich schon alle verabschiedet und ich sitze an meinem Schreibtisch und schaue durch das Fenster auf das verschneite Dach gegenüber. Vincent wäscht noch ab, ich höre ihn in der Küche pfeifen, und das macht mich glücklich. Er hat mir sehr gefehlt in den Wochen, in denen er nicht hier gewesen ist.

Der Abend war wunderschön. Patrice hat gekocht, es gab geröstetes Maronenpüree mit selbstgebeiztem Wildlachs, Hühnchen in der Lavendel-Salzkruste und zum Abschluss Mousse au Chocolat. Ich kenne außer Vince niemanden, der genauso so vernarrt in dieses französische Schokoladenzeug ist wie ich. Und die Mousse von Patrice ist so unglaublich gut, man könnte fast meinen, sie sei nicht von Menschenhand gemacht. Alles in allem war es das beste Geburtstagsessen, dass ich je hatte (aber das sage ich jedes Jahr). Mein Bruder ist einfach ein Kochgott.

Das Essen schmeckt mir wahrscheinlich noch mal so gut, weil meine ganzen liebsten Menschen mit gegessen haben: Vince, Papa, Emma und Patrice, Josh und Jenna, Sevtap und Peter. Also fast alle – alle außer meiner Mutter. Vincent hat mich zwar gefragt, ob ich es in diesem Jahr nicht mal versuchen wolle. Aber ich kann mich nicht überwinden. Ich weiß ja, dass es albern ist, aber ich kann nicht anders. Sie ist schließlich erwachsen und wird oft genug mit Gelegenheiten konfrontiert, in denen Alkohol getrunken wird. Wenn sie saufen will, dann tut sie das. Dass Mama seit 2006 trocken ist und keinen Tropfen mehr anrührt, beruhigt mich nicht. Meine Angst sitzt zu tief, die Erinnerungen an die Zeit, in der sie betrunken und lallend in unserer Wohnung herumgelegen hat, sind immer noch zu stark. Mama versteht das zum Glück. Ich bin sehr gerne mit ihr zusammen. Seitdem sie wieder gesund ist, verstehen wir uns richtig gut und wir reden und lachen viel. Aber ich mag nicht mit ihr sein, wenn wir irgendwo sind, wo Alkohol getrunken wird.

Papa hat mich heute zum ersten Mal gefragt, ob ich Marlene eingeladen habe. Ich habe gesagt, dass sie verhindert sei, krank oder so. Er hat dann nicht weiter gefragt, aber es hat mich schon verwundert: Er hat mich das noch nie gefragt. Er weiß noch immer nichts von Mamas Alkoholproblem. Ich war 5 Jahre alt, als sie sich getrennt haben und Papa war dann nicht mehr bei uns zu Hause. Mama und er haben sich zwar regelmäßig gesehen, aber Mama ist eine gute Schauspielerin und hat sich stets zusammen gerissen. Und ich habe nichts gesagt. Ich wusste einfach nicht, was ich hätte sagen sollen. Ich wusste ja irgendwann auch, dass Papa noch eine andere Familie hat und spätestens dann habe ich mich nicht mehr getraut. Als er mich heute nach Marlene gefragt hat, hat sich das schon seltsam angefühlt. Vielleicht ist es aber gar nicht so komisch? Vielleicht habe ich mit meinen Fragen etwas in ihm ausgelöst. Auch wenn ich von ihm noch keine Antworten darauf bekommen habe.

Joyeux Noël

Heute ist Nikolaus, der Tag an dem kleine und große Kinder in Deutschland ihre (geputzten) Stiefel vor die Tür stellen, die der Nikolaus nachts mit allerlei Süßigkeiten füllt. Manchmal kommt er auch in Persona in Kindergärten oder Schulen vorbei. Auf jeden Fall trifft man ihn im Dezember sehr oft in Deutschland an, meistens auf Weihnachtsmärkten oder in Einkaufszentren. In Frankreich läuft er auch gerne durch die Gegend, aber bei uns ist der Nikolaus gleichzeitig der Pere Noël, so genau lässt sich da kein Unterschied feststellen.

Aber heute ist der Gedenktag an Nikolaus von Myra, der an einem 6. Dezember im 4. Jahrhundert verstorben sein soll. Um den heiligen Mann ranken sich viele Legenden, die schönste aber wie ich finde, ist folgende:

Ein armer Mann hatte nicht die nötige Mitgift, um seine drei Töchter standesgemäß zu verheiraten. Also sah er keinen anderen Ausweg, als die Mädchen zu Prostituierten zu machen. Nikolaus, der über ein größeres Vermögen verfügte, hörte von dem Umglück des Vaters und seiner drei Töchter und schlich sich heimlich zu dem Haus der Familie. Er warf einen Goldklumpen durch das Fenster in das Zimmer der Jungfrauen und wiederholte diese Tat in den zwei folgenden Nächten. In der dritten Nacht wurde Nikolaus von dem Vater überrascht, der ihn mit Dank überschüttete, da die Mitgift für seine Töchter nun gesichert war.

Übrigens soll Nikolaus bereits als Säugling schon sehr fromm gewesen sein. So liess er sich an den Fastentagen der Woche, am Mittwoch und am Freitag, nur einmal am Tag von seiner Mutter stillen. Und als er das erste Mal gebadet werden sollte, stand er aufrecht ohne fremde Hilfe in der Wanne. So ist das mit den Heiligen – ihr Leben ist ein Mythos vom Anfang bis zum Ende. Schade, dass ich den Mythos erst in Deutschland kennengelernt habe. Katho hin, katho her – in Frankreich war der 6. Dezember immer ein ganz normaler Tag für mich.

Noeliniz kutlu olsun

Ich werde immer wieder gefragt, ob ich an Heiligabend nicht traurig bin, weil doch überall gefeiert wird, nur bei euch nicht. Dann werde ich mitleidig angeschaut, als würde ich an einer schweren Krankheit leiden.
Manchmal habe ich wirklich das Gefühl, dass die Leute in christlichen geprägten Kulturen glauben, die anderen (also Muslime, Juden, Hindus, Buddhisten …) hätten überhaupt keinen Spaß im Leben, weil sie ohne Weihnachten und Ostern, ohne Alkohol oder mit Kopftuch, ohne Jesus oder mit Vielgötterei leben müssen. Findet ihr allen Ernstes, dass christliche Kirchen für Spaß oder irdische Freuden stehen? Echt jetzt?

Aber um auf Weihnachten zurückzukommen: Den Spaß am Fest machen sowieso die heidnischen Einflüsse aus. Und die haben wir Immigranten ja teilweise auch übernommen. Zumindest meine Eltern. Wir feiern jedes Jahr weinnachten. Wir haben zwar keine Krippe im Wohnzimmer aufgebaut und mein Vater liest auch nicht die Geschichte der Geburt Jesu aus der Bibel vor. Aber wir haben einen geschmückten Baum und beschenken uns gegenseitig reichlich und es gibt ein festliches Essen.

Selbst wenn Weihnachten bei uns nicht gefeiert werden würde, wie bei der Familie meiner Tante, wäre es kein Weltuntergang*. Letztendlich geht es doch darum, dass die Familie zusammenkommt und einen schönen Abend miteinander hat. Ob das nun am 24. Dezember ist oder an einem anderen Tag im Jahr – das finde ich relativ egal.

Auch ein Weihnachtsmann kann sich schämen

* Vielleicht erleben wir dieses Jahr Weihnachten auch gar nicht mehr. Am 21. Dezember 2012 soll die Welt (mal wieder) untergehen.

    Hast du Antworten auf meine Fragen, Papa?

    Morgen wird meine Jüngste wieder ein Jahr älter. Die Zeit vergeht wie im Flug. Ich bin gespannt, wie das Essen wird. Patrice kocht, Emma hat alle eingeladen. Alle, außer Marlene. Wenn ich es genau betrachte, ist es nicht fair. Ich bin immer mit von der Partie bei dem Geburtstagsessen, das Lisa so wichtig ist. Ihre Mutter hingegen nicht.

    Seltsamerweise habe ich nicht das Gefühl, dass es an meiner oder Emmas Anwesenheit liegt, dass Marlene nie eingeladen ist. Ich habe eher das Gefühl, dass Lisa ihre Mutter nicht dabei haben will. Ich kann nicht genau sagen, warum mich dieses Gefühl beschleicht, ich habe auch weder Lisa noch Marlene je dazu befragt. Patrice kennt Marlene auch, aber er hält sich zurück und hat niemals etwas dazu gesagt, obwohl er sonst in Familienangelegenheiten so engagiert und auf Harmonie bedacht ist.

    Vielleicht ist es wirklich an der Zeit, ein paar Dinge auf den Tisch zu bringen. Lisa hat den Stein schon ins Rollen gebracht. Und Patrice hat mir einen wunderbaren Rat gegeben, nur bin ich mir nicht sicher, ob Lisa das genügen wird. Wenn ich meine Geschichte als Theaterstück inszeniere – natürlich nicht exakt so, wie sie sich zugetragen hat, ein Theaterstück kann die Wirklichkeit niemals ganz abbilden (ganz zu schweigen davon, dass ich mich vor einem derartigen Seelenstrip scheue) – wenn ich also die Ereignisse in ein Drama schreibe, vielleicht hilft es mir dann, mich meinen Kindern gegenüber mehr zu öffnen. Vor allem Lisa und Emma gegenüber, die noch mehr mit diesem Dreiecksverhältnis verwoben sind als Patrice.

    Patrice. Mit Patrice verbindet mich ein stark freundschaftliches Band. Für mich ist er ein wichtiger Ratgeber in vielen persönlichen Angelegenheiten. Ich habe ihn nie gewickelt, ich musste ihm die Flasche nicht mehr geben. Als ich ihn kennen gelernt habe, war er zwar noch ein Kind, aber auch schon ein Erwachsener. Mit der Adoption damals wollte ich ihm eine Chance und Schutz geben, aber es ging weniger um die Fürsorge eines kleinen Kindes. Deshalb gehen wir bis heute eher wie zwei Freunde miteinander um, und nicht wie Vater und Sohn.