С Рождеством

Ich war gestern endlich mal wieder selbst Zuschauer. Lisa und ich waren im Staatsballett Berlin. Ich hatte ihr zum Geburtstag eine Karte für den modernen Dreiteiler ARCANGELO von Duato | HERMAN SCHMERMAN von William Forsythe | and the sky on that cloudy old day von Marco Goecke geschenkt. Mein Töchterchen war ganz hingerissen, vor allem der dritte Akt von Goecke hat sie sehr begeistert. Mich allerdings auch. Die Choreographie wie die Szenerie waren wirklich beeindruckend: Die Tänzerinnen und Tänzer erinnerten an Maschinen, die über einen Nebelboden schweben. Engel des Industrialismus, ein Stummfilm auf der Bühne, moderne Zeiten als Tanzstück. Die faszinierende Atmosphäre des dritten Teils wurde durch die Live-Musik aus dem Orchestergraben komplettiert (bei Akt 1 und 2 kamen die Musikstücke von Band).

Ich bin noch so beschwingt, dass ich in Laune für ein Rätsel bin:

1 Wie heißt das berühmte Ballett, das gerne zur Weihnachtszeit aufgeführt wird?

2 Wer hat die Geschichte, auf der dieses Stück basiert, ursprünglich geschrieben?

3 Wer war der Komponist, der die Geschichte dann vertont hat?

Knackt die Schale, springt der Kern …

Glædelig Jul

Es gibt Tage, da machen die Nachrichten mich fröhlich. Heute ist so ein Tag. Es ist nur eine kleine Meldung, aber die hat mein Herz angerührt und es gab einen kurzen Moment, in dem das Glücklichsein meinen Körper geschüttelt hat. In Dänemark wurde ein verloren geglaubtes Märchen von Hans Christian Andersen entdeckt. Das Talglicht soll sogar sein erstes Werk sein und handelt von einem Licht, das nicht weiß, wozu es eigentlich zunutze ist, bis es auf eine Streichholzschachtel trifft, die es zum Brennen bringt.

Mein Vater hat mir zu Weihnachten ein Märchenbuch von Andersen geschenkt, als ich 10 Jahre alt war. Das Buch war noch von seiner Großmutter. In dem Buch gibt es viele schöne Bilder, an denen ich mich gar nicht satt sehen konnte. Das Buch habe ich immer noch, und ich lese die Erzählungen heute noch sehr gern. Auch wenn viele der Märchen ziemlich traurig sind. Andersen hat es sehr gut verstanden, menschliche Charakterzüge, Gefühle und Unzulänglichkeiten in bunte Analogien zu verwandeln. So wie die Geschichte von dem Tannenbaum:

In einem Wald steht ein kleiner Tannenbaum. der nichts anderes will als wachsen und größer als die anderen Tannen um ihn herum sein. Als der Baum sieht, dass die größeren aber auch die kleineren Bäume um ihn herum gefällt werden, schaudert ihn es zwar, aber ihn packt auch die Sehnsucht nach der Ferne. Die Schwalben und die Meisen erzählen ihm, wohin die Reise der gefällten Tannen geht. Da wünscht er sich, ein Mastbaum auf einem Schiff zu sein und über die Meere zu fahren. Dann möchte er doch lieber wie die kleineren Bäume als herrlich geschmückter Weihnachtsbaum in einer Wohnstube stehen.

Sein Wunsch wird schließlich erfüllt: Er wird als erster Baum im Winter gefällt und findet sich bald als reich behängter Weihnachtsbaum in einem prachtvollen Salon wieder. Er kann es kaum erwarten, dass der Abend kommt. Als es soweit ist, erstrahlt er glanzvoll im Lichte der Kerzen. Doch die Freude ist nur von kurzer Dauer: Er versengt sich die Nadeln am Feuer der Kerzen und die Kinder plündern das Naschwerk aus den Zweigen.

Immerhin darf er einer Geschichte lauschen, die den Kindern erzählt wird. Er ist tief bewegt und freut sich nun doch auf den nächsten Tag. Als der Baum am nächsten Morgen erwacht, erwartet er, dass er wieder geschmückt wird, dass die Kerzen strahlen und die Kinder singen. Stattdessen tragen die Diener ihn auf den Dachboden und stellen ihn in die dunkelste Ecke. Dort steht der Baum und wartet tage- und wochenlang, dass etwas passiert. Er erzählt den Mäusen von seiner Geschichte, am Ende aber ist er ganz einsam. Eines Tages kommen die Diener wieder und schleppen den Baum in den Hof. Noch einmal hat der Tannenbaum die Hoffnung, ins Leben zurückzukehren, als ihm die Kinder den goldenen Stern von der Spitze stehlen und die Diener ihn in Stücke hacken.

Die Knaben spielten im Garten, und der kleinste hatte den Goldstern auf der Brust, den der Baum an seinem glücklichsten Abend getragen hatte. Nun war der vorbei und mit dem Baum war es vorbei und mit der Geschichte auch; vorbei, vorbei. Und so geht es mit allen Geschichten!*

* Die ganze Geschichte gibt es bei Projekt Gutenberg zu lesen.

Kein Kissen, aber ein Tannenbaum, nicht grün, dafür aus Filz

Feliz Natal

Berlin liegt unter einer Schneedecke. Es ist bitterkalt da draußen, Streusplitter knirschen unter meinen Stiefelsohlen, der Atem gefriert sobald er den Mund verlassen hat. Wie gut, dass ich jetzt zu Hause bin, mich an meiner Tasse Tee wärmen kann. Meine Küche duftet nach Apfelmus mit Zimt und Nelken (das habe ich für Vince gekocht, er mag es so gern und die Äpfel waren genau richtig runzelig dafür).

{ Tür am 12.12.12 } Heute gibt es noch mal drei Rätselbildausschnitte für Rätselbildauschnittrater.

Gajan Kristnaskon

Bei der schier unglaublichen Fülle an süßen Leckereien zur Weihnachtszeit zeichnet sich das Dessert eher durch angenehme Zurückhaltung aus. Um das Menü in diesem Jahr rund zu machen, habe ich eine Variante der Kalten Ente gewählt. Nach einem üppigen Mahl wirkt dieser fruchtig-erfrischende Nachtisch anregend. Das Sorbet räumt den Magen auf und passt hervorragend zu einem Vouvray von der Loire or Champagner.

Passt gut zur kalten Ente: Butterplätzchen und Weihnachtsmandeln

Kalte Ente mit Limetten-Sorbet
___Für 6 Personen
10 Limetten
3 Tassen Zucker
1,5 Tassen Wasser
10 Blatter Basikum + weitere Bätter zur Dekoration
2 Eiweiß
___Zubereitung
Eiweiß steif schlagen, bis es schnittfest ist. Zucker mit dem Wasser verrühren. Die sehr fein geriebene Schale von etwa 6 Limetten in das Zuckerwasser geben. Von zwei weiteren Limetten die Haut in feinen Streifen abziehen und zur Seite stellen.

Alle Limetten auspressen, zunächst 3/4 des Limettensaftes hinzugeben und probieren. Je nach Geschmack mehr Saft zugeben. Basilikum sehr fein hacken und mit dem Limetten-Zuckerwasser verrühren. Etwa 5 Minuten ziehen lassen, dann das Wasser durch ein Sieb in eine Schale gießen.

Dann den Einschnee schnell unterheben und die Masse sofort in den Gefrierschrank geben und ca. 25 Minuten kalt stellen.

Das Sorbet mit einem Schneebesen aufschlagen und für weitere 25 Minuten in den Gefrierschrank geben. Wenn die Masse nicht mehr flüssig, aber auch nicht sehr fest ist, aus dem Gefrierschrank nehmen und mit einem Esslöffel das Sorbet in Nocken in bauchige Rotweingläser geben (pro Glas 2 Nocken). Die Limettenzesten über das Sorbet streuen und die Gläser ca. zu 1/2 mit gut gekühltem Vouvray oder Champagner auffüllen. Mit Basilikumblättern dekorieren.

메리 크리스마스!

Alle Jahre wieder: Sobald die Weihnachtssaison offiziell eröffnet ist, wird Last Christmas von Wham! aus dem Plattenregal der Radiostationen geholt und hoch und runter gespielt – bis zum allgemeinen Überhörsturz.

Zum Glück gibt es von diesem Song eine ganze Reihe an kreativen, lustigen oder trashigen Cover-Versionen. Und so habe ich über die Jahre meine persönlichen Top 10* zusammengestellt.

10

Punkrock-Version aus Japan (leider nicht in Japanisch): Nicotine – Last Christmas

09

Unglaublich trashige Schlagervariante in Deutsch: Matthias Reim – Letzte Weihnachten

08

Gibt’s auch in Französisch von Göttin Dalida — Reviens-moi

07

Metal meets Wham! UMC – Last Christmas

06

Indie-Pop mit Tiefgang und in deutsch: Wolke – Last Christmas

05

Gothic aus dem Weihnachtsland: StereoType O Negative – Last Christmas

04

Macht auch vor Hipster**-Pop-Bands nicht halt: Florence & The Machine – Last Christmas

03

Auch R&B ist Fan von Wham! ASTN – Last Christmas

02

Das Selbst-Cover in Live-Form: George Michael – Last Christmas

01

Und weil 2025 ist, darf die K-Pop-Version nicht fehlen: 헨리 HENRY LAU – Last Christmas

Kitsch as Kitsch can: mit Last Christmas von Wham!

* Die Top-10 wurden 13 Jahre später im Dezember 2015 auf den neusten Stand gebracht, heißt: einige Songs sind ganz neu in der Playlist :)

** Hipster waren in den 10-Jahren diese lustige Gruppe von Metropolen-Menschen, die mit gepflegten Bärten (männlich) oder VoKuHiLa (weiblich) ein besonders cooles Leben – eben hipp – zu führen glaubten.

E guëti Wiënachtä

Es ist ein echter Ohrwurm, dieses Lied. Hier wird der innige Wunsch nach Leise Rieselt Der Schnee besungen. In den Zeilen Heute Kommt Der Weihnachtsmann zwar nicht vor, dafür aber wird der reich geschmückte Oh Tannenbaum gelobt und den Kling Glöckchen, Klingelingeling gelauscht, die an den Schlitten gebunden sind.

Ich träume von weißen Weihnachten,
die so sind wie diejenigen, die ich kannte.
Wo die Baumspitzen funkeln und die Kinder lauschen,
um die Schlittenglöckchen im Schnee zu hören.

Ich träume von weißen Weihnachten
mit jeder Karte, die ich schreibe.
Deine Tage seien vergnügt und heiter,
und deine Weihnachten sollen immer weiß sein.

Na klingelt es? Um welches bekannte Weihnachtslied handelt es sich und wer hat es gesungen?

Ob diese Kapelle wohl weiß, um welches bekannte Weihnachtslied es sich handelt?

חג מולד שמח

15 Jahre lang habe ich Weihnachten nicht gefeiert. Das war die Zeit, in der ich in Israel gelebt habe. Auf Christstollen musste ich in dieser Zeit glücklicherweise nicht verzichten, da meine Berliner Familie mir jedes Jahr ein Päckchen mit diesem leckeren Gebäck geschickt hat. Jetzt bin ich diejenige, die Stollenpakete nach Israel schickt. Einige meiner Freunde und Verwandten in Tel Aviv und Haifa sind ganz verrückt nach diesem schweren, süßen Gebäck – wer kann es ihnen verdenken, auch wenn Christstollen, wie der Name schon sagt, ein ursprünglich christliches Fastenbrot gewesen ist und nicht koscher zubereitet wird.

Honig- oder Lebkuchen hingegen sind auch in der jüdischen Küche sehr bekannt. Zum jüdischen Neujahrestag Roch Hachana ראש השנה, der immer im September oder Oktober liegt, wird Honek-Lejkech, Honigkuchen mit Weintrauben, süßem Wein und in Honig getauchte Apfelschnitzern gereicht, um der Hoffnung auf ein gutes, süßes Jahr Ausdruck zu verleihen.

Der Stollen: Rosinen, Mandeln, Zucker und viel Butter

Rõomsaid Jõulupühi

Wie sieht eigentlich ein Engel aus? Hochgewachsen, wie ein Krieger mit flammendem Schwert in der Hand? Oder wie die barocken Putten, die an ein zu dickes, blondgelocktes Kind mit Miniflügeln erinnern? Und warum sind Engel besonders in der Weihnachtszeit so beliebt? Sie hängen als Christbaumschmuck in Tannenzweigen oder halten mit aufgeblähten Backen rote oder weiße Kerzen in den Händen.

Dabei begleiten Engel uns das ganze Jahr über:

Wenn uns bei einem Unfall nichts passiert ist, war unser Schutzengel zur Stelle.

Die Band Real Life hat sich in den 80er Jahren mit Send Me An Angel einen Himmelsboten herbei gesungen.

Wenn wir mit Engelszungen auf jemanden einreden, dann wollen wir denjenigen von etwas überzeugen.

Manchmal fallen Engelstränen vom Himmel, wenn es in Strömen regnet.

Los Angeles ist die Stadt der Engel.

Wenn eine Frau ihre Ehre verliert, dann wird sie als gefallener Engel bezeichnet. Marlene Dietrich spielte die Hauptrolle in dem Film Der blaue Engel, in dem ein älterer Lehrer an seiner Liebe zu einer Varieté-Tänzerin zu Grunde geht. Die Romanvorlage von Heinrich Mann hatte einen deutlich weniger schönen, wenn auch vielleicht passenderen Titel zum Thema: Professor Unrat.

Apropos Film: In Der Himmel über Berlin lässt Wim Wenders Bruno Ganz als Engel Damiel auf der Schulter der Goldlese Platz nehmen. Im neuen Ken Loach Film geht es um Angel’s Share – dem Schluck der Engel, was eine liebevolle Bezeichnung für besonders guten Whisky ist.

Engelmacher hingegen ist ein zynischer Begriff für Ärzte, die Abtreibungen vornehmen.

Nicht zuletzt sind die Engel mitten unter uns: Die Anges in Frankreich, die Angels in Spanien, die Angelos in Italien und alle Angelas und Angelikas in Deutschland.

Es braucht also nicht Weihnachten oder Barock, um die Engel Engel sein zu lassen.

Joyeux Noël

Heute ist Nikolaus, der Tag an dem kleine und große Kinder in Deutschland ihre (geputzten) Stiefel vor die Tür stellen, die der Nikolaus nachts mit allerlei Süßigkeiten füllt. Manchmal kommt er auch in Persona in Kindergärten oder Schulen vorbei. Auf jeden Fall trifft man ihn im Dezember sehr oft in Deutschland an, meistens auf Weihnachtsmärkten oder in Einkaufszentren. In Frankreich läuft er auch gerne durch die Gegend, aber bei uns ist der Nikolaus gleichzeitig der Pere Noël, so genau lässt sich da kein Unterschied feststellen.

Aber heute ist der Gedenktag an Nikolaus von Myra, der an einem 6. Dezember im 4. Jahrhundert verstorben sein soll. Um den heiligen Mann ranken sich viele Legenden, die schönste aber wie ich finde, ist folgende:

Ein armer Mann hatte nicht die nötige Mitgift, um seine drei Töchter standesgemäß zu verheiraten. Also sah er keinen anderen Ausweg, als die Mädchen zu Prostituierten zu machen. Nikolaus, der über ein größeres Vermögen verfügte, hörte von dem Umglück des Vaters und seiner drei Töchter und schlich sich heimlich zu dem Haus der Familie. Er warf einen Goldklumpen durch das Fenster in das Zimmer der Jungfrauen und wiederholte diese Tat in den zwei folgenden Nächten. In der dritten Nacht wurde Nikolaus von dem Vater überrascht, der ihn mit Dank überschüttete, da die Mitgift für seine Töchter nun gesichert war.

Übrigens soll Nikolaus bereits als Säugling schon sehr fromm gewesen sein. So liess er sich an den Fastentagen der Woche, am Mittwoch und am Freitag, nur einmal am Tag von seiner Mutter stillen. Und als er das erste Mal gebadet werden sollte, stand er aufrecht ohne fremde Hilfe in der Wanne. So ist das mit den Heiligen – ihr Leben ist ein Mythos vom Anfang bis zum Ende. Schade, dass ich den Mythos erst in Deutschland kennengelernt habe. Katho hin, katho her – in Frankreich war der 6. Dezember immer ein ganz normaler Tag für mich.

Noeliniz kutlu olsun

Ich werde immer wieder gefragt, ob ich an Heiligabend nicht traurig bin, weil doch überall gefeiert wird, nur bei euch nicht. Dann werde ich mitleidig angeschaut, als würde ich an einer schweren Krankheit leiden.
Manchmal habe ich wirklich das Gefühl, dass die Leute in christlichen geprägten Kulturen glauben, die anderen (also Muslime, Juden, Hindus, Buddhisten …) hätten überhaupt keinen Spaß im Leben, weil sie ohne Weihnachten und Ostern, ohne Alkohol oder mit Kopftuch, ohne Jesus oder mit Vielgötterei leben müssen. Findet ihr allen Ernstes, dass christliche Kirchen für Spaß oder irdische Freuden stehen? Echt jetzt?

Aber um auf Weihnachten zurückzukommen: Den Spaß am Fest machen sowieso die heidnischen Einflüsse aus. Und die haben wir Immigranten ja teilweise auch übernommen. Zumindest meine Eltern. Wir feiern jedes Jahr weinnachten. Wir haben zwar keine Krippe im Wohnzimmer aufgebaut und mein Vater liest auch nicht die Geschichte der Geburt Jesu aus der Bibel vor. Aber wir haben einen geschmückten Baum und beschenken uns gegenseitig reichlich und es gibt ein festliches Essen.

Selbst wenn Weihnachten bei uns nicht gefeiert werden würde, wie bei der Familie meiner Tante, wäre es kein Weltuntergang*. Letztendlich geht es doch darum, dass die Familie zusammenkommt und einen schönen Abend miteinander hat. Ob das nun am 24. Dezember ist oder an einem anderen Tag im Jahr – das finde ich relativ egal.

Auch ein Weihnachtsmann kann sich schämen

* Vielleicht erleben wir dieses Jahr Weihnachten auch gar nicht mehr. Am 21. Dezember 2012 soll die Welt (mal wieder) untergehen.