Aber was soll ich bloß anziehen?

Ich bin tatsächlich ein bisschen aufgeregt. Gertrude und ich haben uns in den letzten Wochen einige E-Mails geschrieben und werden uns morgen Abend endlich in der echten Welt begegnen. Ich weiß gar nicht mehr, was man zu einem Rendezvous anzieht. Seit Elisabeth gestorben ist, habe ich mich mehr meiner Arbeit als Liebesdingen gewidmet. Der Gedanke an eine neue Beziehung hat mich eine ganze Zeit lang eher verschreckt.

Natürlich habe ich in den letzten Jahren Frauen getroffen. Aber das waren eher Zufallsbekanntschaften, allesamt aus der Arbeit entstanden und wenig romantisch motiviert. Es hat mich hat mich schon einige Überwindung gekostet, auf die Annonce von Gertrude zu antworten. Aber sie hat sofort sehr freundlich und offen geantwortet. Das hat mir nicht nur gefallen, es hat mich auch daran erinnert, dass sich das Leben ohne eine Partnerin an der Seite unvollständig anfühlen kann. Im Grunde genommen bin ich sogar sehr verwöhnt. Ich hatte ja auch schon zwei Frauen zur gleichen Zeit mit denen ich mein Leben geteilt habe. Zu dieser Zeit war ich nicht nur vollständig, sondern gewissermaßen verdoppelt.

Aber zurück zu Gertrude: Mittlerweile ist es so, dass ich es kaum erwarten kann, Antwort von ihr zu erhalten. Wir haben uns einiges aus unseren Leben erzählt und ich habe mitunter das Gefühl, als würde ich Gertrude schon jahrelang kennen. Da ist diese Vertrautheit, die wir vielleicht nur deshalb so schnell erlangen konnten, weil wir uns zunächst nur geschrieben haben. Wenn wir uns jetzt gegenüber treten, ist es bestimmt ein ganz besonderer Moment: Wir kennen uns, und wir kennen uns nicht. Wir haben ja bewusst darauf verzichtet, uns Fotos voneinander zu schicken. Fotografien zeigen nur eine einzige Perspektive auf die Person, und wir wollten uns lieber ein Bewegtbild als ein Standbild voneinander machen. Natürlich ist das ein Risiko, aber ich habe schon eine Ahnung davon, wie Gertrude wohl aussehen könnte.

Es wird spannend morgen Abend. Aber was ziehe ich nur an? Ich werde Emma mal fragen, sie ist hat ein gutes Händchen für die passende Kleidung zur richtigen Zeit.

عيد ميلاد مجيد

Ich finde es schwierig zu einem festgelegten Zeitpunkt (Weihnachten) Geschenke zu machen, die alle Beschenkten (Familie, Freunde) mit Freude erfüllen sollen. Deswegen schenke ich jedes Jahr und allen immer dasselbe. Trotzdem oder gerade deswegen sie alle immer glücklich und zufrieden damit. Was mein Geheimnis ist? Ich verschenke selbstgemachte Kerzen.

Nicht nur, dass es mir selbst viel Freude bereitet, Kerzen zu ziehen, die Symbolik eines solchen Geschenks ist vielfältig. Entweder sage ich der Person mit einem Augenzwinkern, dass ihm oder ihr bald ein Licht aufgehen möge, oder oder Kerze wünscht dem/der Beschenkten eine leuchtende und warme Zukunft.

Ach, ich manchmal bin ich echt sentimental … Aber schließlich sehen Kerzen nicht nur gut aus und machen ein schönes Licht, sie riechen auch gut. Das Beste aber ist: Kerzen sind schnell selbst gemacht und können von daher last minute vor dem Heiligen Abend noch hergestellt werden.

Es ist das Licht, das uns sehen lässt

Kerzenziehen

___Man braucht
Gießwachs, 500 g oder 1.000 g Beutel, einfach und farblos, als Granulat im Bastelbedarf oder Baumarkt erhältlich. 1 ml Kerzenvolumen entspricht etwa 1g Kerzengießwachs.
Färbewachs, um das geschmolzene Wachs einzufärben. Im Bastelbedarf oder Baumarkt erhältlich.
Gießformen wie alte Teelichtbehälter aus Glas oder Aluminium, Marmeladengläser, Puddinggläser oder andere Gläser. Minikerzen werden mit Plätzchenausstechförmchen oder halben Walnußschalen gegossen.
Dochte – die Dochtstärke ist abhängig vom späteren Kerzendurchmesser (Bitte die Angabe zur Dochtstärke auf der Packung beachten). Im Bastelbedarf oder Baumarkt erhältlich.
Knete, Zahnstocher aus Holz

___Herstellung
1 Wachs schmelzen
Wachsgranulat in einem größeren Einmachglas im Wasserbad langsam unter ständigem Rühren erhitzen. Färbewachs nach Herstellerangabe hinzugeben. Das Wachs soll nicht kochen. Mit dem Rührlöffel wird das Wachs umgefüllt, wenn es flüssig genug ist.
2 Docht vorbereiten
Die Dochte auf die richtige Länge bringen. Dochte kurz in das flüssige Wachs tauchen. Wenn das Wachs kurz abgekühlt ist, gerade ziehen. Zur Seite legen.
3 Kerzen in Ausstechförmchen
Knete dünn ausrollen. Die Ausstechförmchen darauf setzen und leicht
andrücken. Wachs zugießen bis der Rand fast erreicht ist. Den Docht, der doppelt so hoch wie die Form sein sollte, in das noch flüssige Wachs stellen und fixieren. Wenn das Wachs fest geworden ist, Förmchen vorsichtig abheben.
4 Kerzen in Gläsern
Das Ende eines Dochts wird mit dem noch nicht festen Wachs an einen Holzzahnstocher geklebt und so weit um diesen gewickelt, dass der Docht gerade bis auf den Boden der Glasform reicht. Der Docht sollte mindestens ein Fingerglied lang über den Glasrand hinausgehen. Wachs zu etwa 3/4 in die Gläser geben. Für verschiedenfarbige Kerzen kann das Wachs z.B. in Schichten eingefüllt werden (z.B. erst rotes, dann gelbes, dann blaues Wachs. Dabei wird die nächste Schicht erst eingegossen, wenn die vorherige Schicht leicht erstarrt ist.

С Рождеством

Ich war gestern endlich mal wieder selbst Zuschauer. Lisa und ich waren im Staatsballett Berlin. Ich hatte ihr zum Geburtstag eine Karte für den modernen Dreiteiler ARCANGELO von Duato | HERMAN SCHMERMAN von William Forsythe | and the sky on that cloudy old day von Marco Goecke geschenkt. Mein Töchterchen war ganz hingerissen, vor allem der dritte Akt von Goecke hat sie sehr begeistert. Mich allerdings auch. Die Choreographie wie die Szenerie waren wirklich beeindruckend: Die Tänzerinnen und Tänzer erinnerten an Maschinen, die über einen Nebelboden schweben. Engel des Industrialismus, ein Stummfilm auf der Bühne, moderne Zeiten als Tanzstück. Die faszinierende Atmosphäre des dritten Teils wurde durch die Live-Musik aus dem Orchestergraben komplettiert (bei Akt 1 und 2 kamen die Musikstücke von Band).

Ich bin noch so beschwingt, dass ich in Laune für ein Rätsel bin:

1 Wie heißt das berühmte Ballett, das gerne zur Weihnachtszeit aufgeführt wird?

2 Wer hat die Geschichte, auf der dieses Stück basiert, ursprünglich geschrieben?

3 Wer war der Komponist, der die Geschichte dann vertont hat?

Knackt die Schale, springt der Kern …

Glædelig Jul

Es gibt Tage, da machen die Nachrichten mich fröhlich. Heute ist so ein Tag. Es ist nur eine kleine Meldung, aber die hat mein Herz angerührt und es gab einen kurzen Moment, in dem das Glücklichsein meinen Körper geschüttelt hat. In Dänemark wurde ein verloren geglaubtes Märchen von Hans Christian Andersen entdeckt. Das Talglicht soll sogar sein erstes Werk sein und handelt von einem Licht, das nicht weiß, wozu es eigentlich zunutze ist, bis es auf eine Streichholzschachtel trifft, die es zum Brennen bringt.

Mein Vater hat mir zu Weihnachten ein Märchenbuch von Andersen geschenkt, als ich 10 Jahre alt war. Das Buch war noch von seiner Großmutter. In dem Buch gibt es viele schöne Bilder, an denen ich mich gar nicht satt sehen konnte. Das Buch habe ich immer noch, und ich lese die Erzählungen heute noch sehr gern. Auch wenn viele der Märchen ziemlich traurig sind. Andersen hat es sehr gut verstanden, menschliche Charakterzüge, Gefühle und Unzulänglichkeiten in bunte Analogien zu verwandeln. So wie die Geschichte von dem Tannenbaum:

In einem Wald steht ein kleiner Tannenbaum. der nichts anderes will als wachsen und größer als die anderen Tannen um ihn herum sein. Als der Baum sieht, dass die größeren aber auch die kleineren Bäume um ihn herum gefällt werden, schaudert ihn es zwar, aber ihn packt auch die Sehnsucht nach der Ferne. Die Schwalben und die Meisen erzählen ihm, wohin die Reise der gefällten Tannen geht. Da wünscht er sich, ein Mastbaum auf einem Schiff zu sein und über die Meere zu fahren. Dann möchte er doch lieber wie die kleineren Bäume als herrlich geschmückter Weihnachtsbaum in einer Wohnstube stehen.

Sein Wunsch wird schließlich erfüllt: Er wird als erster Baum im Winter gefällt und findet sich bald als reich behängter Weihnachtsbaum in einem prachtvollen Salon wieder. Er kann es kaum erwarten, dass der Abend kommt. Als es soweit ist, erstrahlt er glanzvoll im Lichte der Kerzen. Doch die Freude ist nur von kurzer Dauer: Er versengt sich die Nadeln am Feuer der Kerzen und die Kinder plündern das Naschwerk aus den Zweigen.

Immerhin darf er einer Geschichte lauschen, die den Kindern erzählt wird. Er ist tief bewegt und freut sich nun doch auf den nächsten Tag. Als der Baum am nächsten Morgen erwacht, erwartet er, dass er wieder geschmückt wird, dass die Kerzen strahlen und die Kinder singen. Stattdessen tragen die Diener ihn auf den Dachboden und stellen ihn in die dunkelste Ecke. Dort steht der Baum und wartet tage- und wochenlang, dass etwas passiert. Er erzählt den Mäusen von seiner Geschichte, am Ende aber ist er ganz einsam. Eines Tages kommen die Diener wieder und schleppen den Baum in den Hof. Noch einmal hat der Tannenbaum die Hoffnung, ins Leben zurückzukehren, als ihm die Kinder den goldenen Stern von der Spitze stehlen und die Diener ihn in Stücke hacken.

Die Knaben spielten im Garten, und der kleinste hatte den Goldstern auf der Brust, den der Baum an seinem glücklichsten Abend getragen hatte. Nun war der vorbei und mit dem Baum war es vorbei und mit der Geschichte auch; vorbei, vorbei. Und so geht es mit allen Geschichten!*

* Die ganze Geschichte gibt es bei Projekt Gutenberg zu lesen.

Kein Kissen, aber ein Tannenbaum, nicht grün, dafür aus Filz

Feliz Natal

Berlin liegt unter einer Schneedecke. Es ist bitterkalt da draußen, Streusplitter knirschen unter meinen Stiefelsohlen, der Atem gefriert sobald er den Mund verlassen hat. Wie gut, dass ich jetzt zu Hause bin, mich an meiner Tasse Tee wärmen kann. Meine Küche duftet nach Apfelmus mit Zimt und Nelken (das habe ich für Vince gekocht, er mag es so gern und die Äpfel waren genau richtig runzelig dafür).

{ Tür am 12.12.12 } Heute gibt es noch mal drei Rätselbildausschnitte für Rätselbildauschnittrater.

Du hast also Glück gehabt, dass bei dir alles einfacher war?

Ja und Nein. Einfacher war es insofern, weil meine Eltern schon fast zwanzig Jahre in Deutschland waren, als ich geboren wurde. Sie hatten sich da schon etwas aufgebaut, sie konnten sich eine 5-Zimmer-Wohnung kaufen. Mein Vater hat sein eigenes Geschäft, einen Feinkostladen mit türkischen und arabischen Spezialitäten, Ende der 70er eröffnet. Der Laden lief von Anfang an gut und geniesst heute so etwas wie Kultstatus. Jedenfalls haben sie mir alles möglich machen können, was bei meinen Brüdern noch viel schwieriger gewesen ist. Heute sind sie jedoch zurecht stolz darauf, dass Cem als Arzt seine eigene Praxis hat, dass Ömer den Laden mit ihnen schmeisst und ich Psychologie studiere.

Und was war für dich schwieriger als für andere?

Naja . { lacht }. Ich bin ein Mädchen. Eine Frau. Meine Eltern sind schon liberal, sie haben auch nie viel Wert darauf gelegt, besonders muslimisch zu leben. Allerdings ist die Familie meiner Tante ziemlich konservativ. Die Schwester meiner Mutter hat meine Eltern damals in Berlin besucht und einen damaligen Kollegen von meinem Vater kennengelernt. Sie haben dann ziemlich schnell geheiratet. Meine Tante ist Hausfrau und Mutter und kann nicht verstehen, warum ich studiere. Es gab immer viele Streitgespräche zwischen meinen Eltern und meiner Tante und ihrem Mann, was die richtige Erziehung für mich sei. Als ich 2005 für vier Jahre nach Istanbul gegangen bin und dort in einem Frauenhaus gearbeitet habe, kam es fast zu einem Bruch zwischen unseren Familien. Mein Cousin hat mich sogar als Hure beschimpft, die nicht nur wie eine Schlampe herumlaufe, sondern auch noch Frauen gegen ihre Männer aufhetze. Seitdem spreche ich nicht mehr mit ihm. Aber ich will auf gar keinen Fall der Grund sein, warum meine Mutter und ihre Schwester nicht mehr miteinander reden. Sie lieben sich trotz ihrer unterschiedlichen Ansichten. Zum Glück hat sich die Diskussion um meine Person in den letzten Jahren ein wenig beruhigt. { seufzt }.

Hast du auch Ablehnung durch Deutsche erfahren?

Klar. Ich werde zum Beispiel immer wieder gefragt, wo ich herkomme oder welche Nationalität ich habe. Dass ich dunkle Haare und braune Augen habe, zählt bei der Beurteilung meiner Person wohl mehr als mein akzentfreies Deutsch. Obwohl – ick kann och Berliniern, wa. { lacht }. Naja, ich habe mich schon damit abgefunden, dass ich die Exotin bin. Das ist vielleicht nicht direkt eine Ablehnung meiner Person, aber mich nervt es schon. Manchmal mache ich mir einen Spaß und wechsele nach so einer Frage unvermittelt in Lan. { imitiert sich selbst }. Ey, weissu isch bin voll Deutsch, Mann, ey, isch spresche voll hoch Deutsch, Alda. { lacht }. Aber ich habe auch schon gehört, dass ich in mein Land zurück gehen soll. Einmal, da war ich noch jünger, da hab ich einer Tussi eine Ohrfeige dafür verpasst. Die hat mich dann wegen Körperverletzung angezeigt. Das habe ich nicht auf mir sitzen lassen und ich habe eine Gegenanzeige wegen rassistischer Beleidigung aufgegeben. Die hat ihre Anzeige daraufhin zurückgezogen.

Woher kommt der Begriff Gastarbeiter eigentlich?

Das Interview mit Sevtap hat echt Spaß gemacht. Sie ist eine offene und kluge Gesprächspartnerin und hat mir neue Anregungen für meine Reportage gegeben. Besonders ihre Anmerkungen zu Gastarbeitern ist mir im Gedächtnis geblieben

„Dieser Begriff ist übrigens total unsinnig: Ein Gast, der arbeitet? Da könnte man auf den Gedanken kommen, dass die Deutschen ihre Gäste arbeiten lassen, anstatt sie zu bewirten. „

In der Tat, diese Bezeichnung ist wirklich absolut unzutreffend. Und nicht nur das: Gastarbeiter ist ein Begriff, der bereits im Dritten Reich für ausländische Zivilarbeiter verwendet wurde, die auf freiwilliger Basis in der NS-Kriegswirtschaft gegen Lohn tätig waren. Der Begriff stammt von den Nationalsozialisten. Umso erstaunlicher, dass er ohne weiteres Eingang in den späteren Sprachgebrauch gefunden hat.

Alternativ wird der neutralere Begriff Arbeitsmigrant verwendet, was ich nur bedingt besser finde. Das klingt nach Roboter oder Maschine, aber auf keinen Fall nach Mensch. Vielleicht ist es aber doch die treffendere Bezeichnung, weil er ganz nüchtern die Geschichte der Leute, die damals nach Deutschland gekommen sind, um die Arbeiten zu verrichten, die die Deutschen nicht mehr ausüben wollten, zusammenfasst. Das damalige Angebot der Industrie: Fließband- und Akkordarbeit zu geringeren Löhnen als die, die die deutschen Arbeiter verlangt hätten. Mittels Anwerbeabkommen zur Erzielung von Erwerbseinkommen wurden vor allem Männer aus der Türkei, aus Griechenland, Italien und Spanien nach Deutschland gelockt. Selbstverständlich sollte das nur für einen befristeten Zeitraum sein. So hatten Politik und Wirtschaft sich das damals gedacht.

Mir erscheint es jedoch eher so, dass Politik und Wirtschaft nicht wirklich nachgedacht haben. Das eine ist: Man hole ungelernte, billige Arbeitskräfte, die im eigenen Staat fehlen, für niedere Tätigkeiten ins Land und nennt sie vermeintlich liebevoll Gastarbeiter. Dass die Gastarbeiter beziehungsweise Arbeitsmigranten 40 Jahre später immer noch da sind, wer hätte das wissen können? Deswegen wurde damals auch darauf verzichtet, Integration in den Mittelpunkt der politischen Interessen zu stellen. Der kulturelle Austausch wurde nicht nur nicht gefördert, er wurde komplett ignoriert. Was nun nachgeholt werden muss – falls das überhaupt noch möglich oder gar gewünscht ist. Ich habe da so meine Zweifel.

Gajan Kristnaskon

Bei der schier unglaublichen Fülle an süßen Leckereien zur Weihnachtszeit zeichnet sich das Dessert eher durch angenehme Zurückhaltung aus. Um das Menü in diesem Jahr rund zu machen, habe ich eine Variante der Kalten Ente gewählt. Nach einem üppigen Mahl wirkt dieser fruchtig-erfrischende Nachtisch anregend. Das Sorbet räumt den Magen auf und passt hervorragend zu einem Vouvray von der Loire or Champagner.

Passt gut zur kalten Ente: Butterplätzchen und Weihnachtsmandeln

Kalte Ente mit Limetten-Sorbet
___Für 6 Personen
10 Limetten
3 Tassen Zucker
1,5 Tassen Wasser
10 Blatter Basikum + weitere Bätter zur Dekoration
2 Eiweiß
___Zubereitung
Eiweiß steif schlagen, bis es schnittfest ist. Zucker mit dem Wasser verrühren. Die sehr fein geriebene Schale von etwa 6 Limetten in das Zuckerwasser geben. Von zwei weiteren Limetten die Haut in feinen Streifen abziehen und zur Seite stellen.

Alle Limetten auspressen, zunächst 3/4 des Limettensaftes hinzugeben und probieren. Je nach Geschmack mehr Saft zugeben. Basilikum sehr fein hacken und mit dem Limetten-Zuckerwasser verrühren. Etwa 5 Minuten ziehen lassen, dann das Wasser durch ein Sieb in eine Schale gießen.

Dann den Einschnee schnell unterheben und die Masse sofort in den Gefrierschrank geben und ca. 25 Minuten kalt stellen.

Das Sorbet mit einem Schneebesen aufschlagen und für weitere 25 Minuten in den Gefrierschrank geben. Wenn die Masse nicht mehr flüssig, aber auch nicht sehr fest ist, aus dem Gefrierschrank nehmen und mit einem Esslöffel das Sorbet in Nocken in bauchige Rotweingläser geben (pro Glas 2 Nocken). Die Limettenzesten über das Sorbet streuen und die Gläser ca. zu 1/2 mit gut gekühltem Vouvray oder Champagner auffüllen. Mit Basilikumblättern dekorieren.

Welche Sprache ist dir näher: Türkisch oder Deutsch?

Das ist eine gute Frage. Darüber habe ich noch nie nachgedacht. { blickt nachdenklich auf ihre Hände }. Ich kann nicht wirklich sagen, welche Sprache mir näher ist, oder ob ich eine der beiden Sprachen sogar präferiere. Ich glaube, dass es eher von der jeweiligen Situation abhängt. Manchmal passt es besser, dass ich mich in Türkisch ausdrücke, manchmal spreche ich lieber Deutsch. Damit meine ich jetzt nicht, dass ich mit Türken Türkisch oder mit Deutschen Deutsch spreche. Das liegt ja auf der Hand, dass man sich mit anderen in einer Sprache austauscht, die sie besser verstehen. Allerdings kommuniziere ich meinen Brüdern und auch mit meinen Eltern in beiden Sprachen. Und gerade da kommt es auf die Situation an, ob Deutsch oder Türkisch besser passt.

Kannst du mir ein Beispiel für die situative Verwendung von Türkisch oder Deutsch geben?

Nun ja, wenn ich eine Sache auf den Punkt bringen will, dann spreche ich meistens Deutsch. Deutsch ist eine klare Sprache. Ich finde, dass die Worte sich hervorragend dazu eignen, Sachverhalte deutlich zu machen. Ich kann auch in Deutsch super diskutieren – das hält mich nämlich ein bisschen davon ab, zu emotional zu werden und lautstark auf meinen Diskussionspartner einzureden. { lacht }. Türkisch spreche ich oftmals dann, wenn ich meine Gefühle zum Ausdruck bringe oder wenn ich eine lustige Geschichte erzähle. Mir war das bis zu deiner Frage gar nicht so bewusst, aber es ist wohl tatsächlich so, dass mein Deutsch für den Verstand und mein Türkisch für das Herz steht. Natürlich drücke ich auch im Deutschen meine Gefühle aus oder erläutere Rationales in Türkisch. Es wäre ja schon komisch, wenn ich mit Lisa plötzlich Türkisch spreche, wenn ich ihr erzähle, was mir heute morgen in der U-Bahn passiert ist.

Definierst du deine kulturelle Identität über beide Sprachen?

Das auf jeden Fall, ja. { trinkt einen Schluck Wasser }. Ich fühle mich manchmal als Türkin, manchmal als Deutsche. Und manchmal auch als … Hm, wie soll ich das nennen. Europäerin? Vielleicht kann man es so nennen. Auf jeden Fall fühle ich mich nicht nur einer Nationalität zugehörig. Ich bin meinen Eltern auch sehr dankbar, dass sie sehr viel Wert darauf gelegt haben, dass ich und meine beiden Brüder zweisprachig aufgewachsen sind. Es war für meine Eltern nicht leicht, Deutsch zu lernen. Aber meine Mutter sagt immer: „Wenn du in ein fremdes Land kommst, um dort zu leben, dann lerne die Sprache. Du wirst eine zweite Heimat gefunden haben.“ Meine Eltern sind Ende der 60er Jahre nach Deutschland gekommen, als Gastarbeiter. Dieser Begriff ist übrigens total unsinnig: Ein Gast, der arbeitet? Da könnte man auf den Gedanken kommen, dass die Deutschen ihre Gäste arbeiten lassen, anstatt sie zu bewirten. Seltsame Vorstellung. Aber gut. Was ich eigentlich sagen wollte: Meine Eltern haben als Gastarbeiter angefangen, haben sich hier eine Existenz aufgebaut und meine Brüder und mich so zu erziehen versucht, dass wir an beiden Kulturen teilhaben können. Es war vor allem damals, als sie gerade hierher gekommen sind, ein riesiger Balanceakt meinen Brüdern alles zu ermöglichen, was sie sich für ihre Söhne gewünscht haben. Mit mir war es schon einfacher, ich bin ja auch ein Nachzüglerkind, oder wie man so schön sagt: das Nesthäkchen.

Es ist doch eigentlich nichts dabei, oder?

Emma war so anhänglich heute morgen, sie wollte mich gar nicht gehen lassen. Früher, am Anfang unserer Beziehung, war sie oft so. Sie hat es geliebt, sich morgens an mich zu schmiegen, ihr Bauch und ihre Brüste an meinem Rücken und ihre Hand auf meinem Bauch. Dann hat sie ihr Bein um mich geschlungen, so dass ich nicht aufstehen konnte. Klar, ich hätte aufstehen können, wenn ich gewollt hätte. Aber es war unser Spiel und es war sehr schön so. Heute morgen ist mir aufgefallen, das sie mich schon so lange nicht mehr so umarmt hat, deshalb war ich ganz überrascht. Vielleicht spürt sie etwas.

Ich bin irgendwie verwirrt, auch wenn ich versuche, mir nichts anmerken zu lassen. Ich liebe Emma, aber Sevtap fasziniert mich. Ich fühle mich gut mit ihr, dass wusste ich sofort, als ich sie an Lisas Geburtstagsessen gesehen habe. Vielleicht weil da keine Verpflichtung, kein Alltag ist. Sich einfach ein bisschen angezogen fühlen. Was ist schon dabei? Im Grunde genommen nichts. Es ist ja auch nichts passiert. Wir haben geredet, geflirtet auch, aber das ist ja auch ok. Finde ich. Trotzdem frage ich mich, ob Emma was bemerkt hat. Und was wäre, wenn sie etwas bemerkt hat.

Emma und ich haben noch nie darüber gesprochen, was wir unter einen guten Beziehung verstehen und ob Treue dafür unbedingt notwendig ist. Wir sind einfach zusammen und sprechen nicht darüber. Es ist irgendwie so selbstverständlich mit uns. Also war es bislang. Aber jetzt bemerke ich plötzlich, dass ich Emma nicht so gut kenne, wie ich dachte. Und ich traue mich nicht, dass Thema anzusprechen. Weil wir nie vorher darüber gesprochen haben, würde Emma nur Verdacht schöpfen. Oder vielleicht auch nicht? I don’t know.

Sie hat so empfindlich reagiert, als sie erfahren hat, dass Jenna und Patrice zusammen sind. Sie hat sich hintergangen gefühlt, weil die beiden erst mal niemandem von ihrer Liaison erzählt haben. Ich fand es nicht so schlimm, es ist ja schließlich eine Sache zwischen meiner Schwester und Emmas Bruder. Aber Emma war schon sehr gekränkt. Wenn ich daran denke fällt es mir noch schwerer in Erwägung zu ziehen, mit Emma zu sprechen. Aber muss ich das eigentlich? Mit ihr sprechen? Es ist wirklich nichts passiert, wir haben uns ja nur unterhalten und uns einmal auf dem Weihnachtsmarkt getroffen. Das ist ja nicht schlimm, oder?